1.
Feindliche Taktik und Kampfweise.
Starke Anlehnung der Truppen an befestigte Stellungen,
Stützpunkten, Minenfeldern und Geländehindernissen.
Massierter Einsatz bei Infanterieangriffen unter starker
Artillerieunterstützung.
Verstärkter Einsatz von Nebelgranaten bei Annäherung,
zur Vortäuschung von Angriffsabsichten, aber auch
zur reinen Täuschung. Neuartige Nebelgranaten mit
etwa 400 Meter langem Nebelstrich zur Zielbezeichnung
und zum Einschießen.
Eine auffallend schlechte artilleristische Unterstützung
von Panzerangriffen. Nach erfolgtem Durchbruch hört
sie völlig auf. Vermehrte Neigung zu Nachtangriffen,
dabei Niederhalten der Feindartillerie durch Kennzeichnung
der Stellungen mit Leuchtfallschirmen und Leuchtbrandsätzen
von Flugzeugen aus.
Rückgrat der feindlichen Abwehr ist die Artillerie,
wobei weniger die Zahl der Geschütze, sondern der
große Munitionseinsatz ausschlaggebend ist.
Ausnutzung der Höchstschussweiten, um sich dem
Feuerbereich der feindlichen Artillerie zu entziehen.
Hervorragende Feuerdisziplin, auch in kritischen Situationen
Anwendung von Nebel, auch bei Feindangriffen, um die
feindlichen Verbände in Unordnung zu bringen, oder
das Loslösen vom Gegner zu verschleiern.
2. Eigene Taktik und Kampfweise.
Die Erfahrung der letzten Angriffe gegen befestigte
Stellungen erfordern eine genügend lange Vorbereitungszeit.
Der Mangel an artilleristischen Aufklärungsmitteln
macht eine halbtägige Vorbereitungszeit notwendig.
Die Wahl des Angriffszeitpunkts hat ausschließlich
nach taktischen Gesichtspunkten zu erfolgen. Der Bereitstellungsraum
ist möglichst zu einer Tageszeit zu beziehen, der
dem Gegner die Beobachtung erschwert.
Die Zweckmäßigkeit des Aufsitzens der Schützen
auf Panzer beim Angriff kann nicht abschließend
beurteilt werden, da noch keine ausreichenden Erfahrungen
vorliegen.
Der erhebliche Munitionseinsatz des Gegners erfordert,
dass die Abwehrkräfte beweglich gehalten werden
müssen, um ein Zerschlagen von Personen und Material
in festen Stellungen zu verhindern. Bei Abwehr von Feindangriffen
hinter Minenriegeln ist die Stärke der Truppe so
zu bemessen, dass dem Gegner das Schlagen von Minengassen
verwehrt wird.
3. Feindliche Panzerverwendung.
Der geschlossene Einsatz starker Panzerverbände
wurde bisher nur am 27.7.42 beobachtet. Die feindliche
Führung ist offenbar noch nicht in der Lage Panzerverbände
schnell und wendig zu führen.
Allgemein wird beobachtet, dass der Gegner seine Panzerverbände
aufteilt.
Erkennbar ist das Bestreben die Panzer in der Abwehr
in weit überflügelnder Linie einzusetzen,
um in die Flanke des Angreifers zu gelangen.
Auffallend ist in den letzten Wochen das geringe Auftreten
der bekannten Panzertypen Mark IV, V und VI. Zur Führung
des Feuergefechtes werden weitgehend die US-Panzer mit
7,5 cm Kanonen eingesetzt.
4. Eigene Panzerverwendung.
Die Grundsätze der Panzerführung haben sich
bewährt.
5. Allgemeine Fragen.
Es herrscht Mangel an geeigneten Aufklärungsmitteln.
In den großen Wüstenräumen ist eine
unmittelbar meldende Luftaufklärung unerlässlich.
Der Gegner verfügt über weit überlegene
Aufklärungsmittel.
6. Änderungen und Verbesserungsvorschläge.
Die Schützen verfügen über keine Panzernahbekämpfungsmittel
(Panzerhaftladungen, Brandflaschen).
Die größeren Pak-Kaliber des Gegners und
die Schussweiten der US-Panzer bedingen eine größere
Zahl an Panzern IV lang.
Ein Mangel ist das Fehlen von Nebelwerfern oder Nebelgranaten.
Quelle: Bernd Hartmann - Die Geschichte
des Panzerregiment 05 |