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Sanitätsdienst
in Afrika Teil I
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| AUSRÜSTUNGSPROBLEME,
RUHR, SONNENBRAND UND HITZE... |
Besondere Faktoren, Ruhr und Ausrüstungsprobleme
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Die im Afrikafeldzug zunächst verwendete Heeresuniform
besteht aus wenig luftdurchlässigem Leinenstoff
von olivgrüner Farbe. Dazu sind kniehohe Schnürschuhe
vorgesehen. Der Schnitt der Uniform entspricht bis
auf das offene Revers dem im Heer üblichen. Wie
sich bald herausstellte, ist diese Bekleidung in Form
und Farbe, wenn auch die Sonne das Olivgrün rasch
bleicht, und im Material unzweckmäßig.
Das Gewebe ist zu steif. Seine Neigung, Wasser aufzusaugen,
erweist sich bei der hohen Luftfeuchtigkeit und besonders
in den an Tau so reichen Morgenstunden als außerordentlich
nachteilig. Das Olivgrün eignet sich in der Halbwüste
mit ihrem in der Färbung ähnlichen Bewuchs
zwar zur Tarnung, in der Vollwüste dagegen keinesfalls.
Die hohen Schuhe, die nur im Fuß Lederteile
enthalten und sonst aus Textilien bestehen, lassen
sich zwar locker geschnürt tragen, sitzen aber
doch zu straff und erlauben jedenfalls nicht die unter
den klimatischen Voraussetzungen erforderliche Ventilation.
Die zur Heeresuniform mitgelieferten Shorts sind nur
beschränkt verwendbar, weil sie die Beine des
Soldaten Verletzungsgefahren aussetzen, deren Folgen
im Laufe des Afrikafeldzugs sogar zu wehrmedizinischer
Bedeutung ersten Ranges gelangen sollten. Lediglich
die olivgrüne Mütze hat sich ihres großen
Schirms wegen als Blendschutz bewährt. Den Verhältnissen
angemessen ist auch der Wollmantel, der Schutz gegen
die oft erhebliche Nachtkälte bietet. Das deutsche
Tropenhemd wiederum ist vom Material her zu steif.
Der vorgesehene Tropenhelm lässt sich allenfalls
im rückwärtigen Gebiet benutzen. Bei dem
in Libyen herrschenden Klima ist er durchweg entbehrlich
und im Kampf hinderlich. Wird der Tropenhelm von Splittern
durchschlagen, führen mitgerissene Teile seines
Materials zur gefährlichen Wundverschmutzung.
Zumeist ist die Truppe nicht mit Stahlhelmen ausgestattet,
obwohl in der Steinwüste bei Geschosseinschlägen
die Steinsplitter schon ihrer Vielzahl wegen noch
mehr als die Granatsplitter gerade zu Schädelverletzungen
beitragen. Der deutsche Stahlhelm ist allerdings bei
starker Sonnenbestrahlung weniger geeignet als die
flache Form des britischen. Als er schließlich
auf Drängen der Truppe vor Tobruk auf dem Nachschubweg
herangeschafft und in größerem Umfang ausgegeben
wird, erweist sich seine feldgrüne Farbe, beziehungsweise
die stahlblaue für Luftwaffenangehörige,
als weiterer Nachteil. Dem wird durch Überstreichen
der Stahlhelme abgeholfen, wie dies auch bei Fahrzeugen
und Panzern geschieht.
Die erheblichen Mängel der deutschen Tropenuniform,
die bei der Luftwaffe übrigens, was Form, Material
und Farbe betrifft, ungleich geringer sind, werden
in der Praxis dadurch ausgeglichen, dass ein großer
Teil der Deutschen sich aus Beutebeständen mit
der englischen Tropenuniform bekleidet, selbstverständlich
unter Anbringung der deutschen Abzeichen. Diese englische
Uniform besteht durchweg aus reiner Wolle. Die langen
Hosen werden als Überfallhosen getragen. In der
heißen Tageszeit kann man sie bis über
die Knie aufkrempeln. Gern getragen werden aus den
britischen Beständen auch lederne Schnürschuhe
mit dicken Gummisohlen. Als den nordafrikanischen
Verhältnissen sehr gut angepasst erweist sich
zwar die italienische Spezialuniform, jedoch steht
sie den deutschen Feldzugsteilnehmern kaum je zur
Verfügung.
Zum wesentlichen Bestandteil der Bekleidung gehört
die wollene Leibbinde, deren Anlegen zur Pflicht gemacht
werden soll. Dazu kommt es allerdings nicht. Viele
folgen jedoch freiwillig der Empfehlung, die Soldaten
des Regiments 361 der späteren 90. leichten Division,
des sogenannten "Afrikaregiments" durchweg,
denn sie sind daran als frühere Angehörige
der französischen Fremdenlegion, bei der das
Nichtbenutzen der Leibbinde unter strenger Bestrafung
stand, gewöhnt. Das Tragen der Leibbinde wird
mit den sehr häufigen Durchfallerkrankungen insofern
in Verbindung gebracht, als es zu den wichtigsten
Vorbeugemaßnahmen zählt.
Zu den Besonderheiten des Wüstenkriegs gehören
Insekten, Spinnentiere und Schlangen. Skorpionstiche
sind freilich harmloser, als man ihnen nachsagt. Sie
hinterlassen zwar eine starke Schwellung und Juckreiz,
bedingen aber keine wesentliche Beeinträchtigung
des Allgemeinbefindens. Im Gesundheitsmerkblatt vom
Januar 1941 sind Skorpionstiche und Schlangenbisse
etwa gleichgesetzt. Das führt zu Fehleinschätzungen
und zu überflüssigen Verletzungen durch
Kreuzschnitte mit Rasierklingen, die bei Schlangenbissen
noch angebracht sein mögen. Doch auch die Schlangenbisse
selbst werden in ihrer praktischen Bedeutung überbewertet.
Zu Anfang des Afrikafeldzugs rechnet man mit einer
großen Nachfrage nach dem von den Behring-Werken
hergestellten polyvalenten Schlangenserum. Der tatsächliche
Bedarf erweist sich als äußerst gering.
Die in Nordafrika vorkommenden Vipern, so giftig einige
Arten auch sind, meiden die Nähe der Menschen.
Sie bleiben wie die Mehrzahl der Skorpione versteckt.
Die freilich dann lebensbedrohende Situation, zufällig
auf eine Sandviper zu treten und von ihr gebissen
zu werden, besitzt die Qualität eines eher ungewöhnlichen
Unfalls. Erst bei den äußerst seltenen
und dann besonders heftigen Regenfällen entsteht
ein zutreffender Eindruck von dem wirklichen Bestand
an Giftschlangen. Diese retten sich vor dem Ertrinken
auf Bodenerhebungen und werden so sichtbar. Durch
die Witterungseinflüsse wie erstarrt, sind sie
dann aber ganz und gar ungefährlich. In Libyen
gehören weder die Skorpione noch die Schlangen
zu den wesentlichen Faktoren. Das gilt auch für
Zecken, die Rückfallfieber übertragen. Derartige
Zecken werden in Felshöhlen gefunden, in denen
sich deutsche Soldaten hin und wieder zum Schutz vor
Luftangriffen aufhalten, sowie in den Erdhöhlen
der Tobrukstellung.
Die Fliegenplage dagegen übt einen beherrschenden
Einfluss aus. Schon der Gang durch ein Eingeborenenviertel,
wo sich Kinder des Fliegenschwarms, der sie praktisch
bedeckt, nicht erwehren, vermittelt ein eindrucksvolles
Bild. Von der verhängnisvollen Bedeutung der
Fliegen bei der Verbreitung von Seuchen ganz abgesehen,
stellt ihr Auftreten in geradezu unvorstellbarer Vielzahl
eine schwere Belastung für die Truppe dar. So
zum Beispiel hält der Zahnarzt in Derna seine
Zahnstation durch ein Chamäleon fliegenfrei.
Im Januar 1942 weist der Beratende Hygieniker beim
Heeres-Sanitätsinspekteur auf die Wichtigkeit
hin, alle Materialien, die als Brutplätze für
Fliegen in Frage kommen, sorgfältig zu beseitigen.
In der Praxis der Sanitätskompanien ist dem sowieso
schon Rechnung getragen worden, denn es gehört
zu den Gepflogenheiten, alle Küchenabfälle
und alle Abfälle aus dem medizinischen Bereich
sofort zu verbrennen oder zu vergraben.
Ein gewaltiges Problem stellt die Fäkalienbeseitigung
dar. Bei rückwärtigen Einheiten und Sanitätseinrichtungen
sind umbaute Latrinen mit ausreichend tiefen Schächten
und Sitzlöchern angelegt. Meistens verfügen
sie über selbsttätig schließende Klappdeckel.
Oder es werden Latrinengräben, in die jeweils
Sand nachzuschütten ist, benutzt. Vor allem wenn
sich die Latrinengräben wegen der Bodenbeschaffenheit
nicht tief genug anlegen lassen, ist das Nachschütten
von Sand als Abdeckung oder von Chlorkalk als Desinfektionsmittel
in Verbindung mit der Fliegenplage von grundsätzlicher
Bedeutung. Zu jeder Latrinenbenutzung soll deshalb
ein Spaten mitgenommen und die Fäkalien sollten
überhaupt immer vor der Berührung durch
Fliegen bewahrt werden.
Zu den Maßnahmen, um die Verbreitung von Infektionen
durch Fliegen einzuschränken, zählt die
Einrichtung von Kastenlatrinen. Am Ende des Latrinenkastens
befindet sich jeweils in der oberen Kastendecke ein
Loch, durch das eine mit Werg oder dergleichem gefüllte
und ständig unter Glut gehaltene Blechbüchse
in die Latrinengrube gehängt wird. Das vertreibt
die Fliegen. Inwieweit sich derartige Hygieneeinrichtungen
aufrechterhalten lassen, ist freilich vom jeweiligen
Kampfgeschehen abhängig.
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Die geschilderte Methode, die Fäkalien
innerhalb der Latrinen abzudecken, ist eine der Deutungen
für den im Sprachgebrauch des Afrikafeldzugs üblichen
Begriff des Spatengangs. Meistens wird darunter aber einfach
das Vergraben der Dejekte im freien Feld verstanden. Gegen
dieses gewissermaßen wahllose Vergraben erheben
sich allerdings auch Einwände, beispielsweise seitens
des Beratenden Hygienikers der Luftwaffen-Sanitätsinspektion,
der vor dieser Form des Spatengangs und der damit verbundenen
allgemeinen Bodenverunreinigung dringend warnt, ja das
Thema sogar bei einer Arbeitstagung aller Beratenden Fachärzte
der Wehrmacht aufgreift.
Äußerst schwierig wird die Fäkalienbeseitigung
in der vordersten Linie der Front. Sie lässt sich
überhaupt nur nachts durchführen. Ein Vergraben,
wie man es auch immer beurteilen mag, verbietet vielfach
der Felsboden. Tagsüber müssen Konservendosen
als Übergangslösung benutzt werden. Solange
die Behältnisse ausreichen, ist das eine noch erträgliche
Lösung. Bei der Häufung von Durchfallerkrankungen
ist dies oft nicht mehr der Fall.
Nach der Berichterstattung des Korpshygienikers gelingt
durch Anwendung von Spezialnährböden im Juli
1941 der einwandfreie Nachweis der bazillaeren Ruhr
nicht nur in Tripolis, sondern auch in Benghasi und
im Feldlaboratorium Derna. Bei den zahlreichen Fällen
mit kurzer hoher Temperaturzacke und meistens nur zwei
bis vier Tage anhaltenden blutigschleimigen Durchfällen
sowie Gesamterscheinungen, die nach sechs bis acht Tagen
abklingen, handelt es sich in aller Regel um Flexner-Ruhr.
Bei schweren und längeren Verlaufsformen, darunter
solche mit tödlichem Ausgang, werden Shiga-Kruse-Stämme
festgestellt. Vielfach gelangen die Kranken zu spät
in Lazarettbehandlung.
In den Truppenlagern bei Neapel sind die dort so häufigen
Darmerkrankungen klinisch, serologisch und bakteriologisch
ebenfalls eindeutig als Flexner-Ruhr identifiziert.
Diese Diagnose trifft mit größter Wahrscheinlichkeit
ebenso auf die massenhaft in den Truppenlagern um Tripolis
auftretenden Durchfallserkrankungen zu. Auch bei den
Fronttruppen ist die weitgehende Durchseuchung mit Bazillenruhr
zu unterstellen. Die Amöbenruhr dagegen bleibt
selten. Ende Juli 1941 wird ihr Vorkommen erstmals einwandfrei
nachgewiesen, nämlich in Benghasi und in einem
einzigen Fall.
Mitte August wird die 5. leichte Division in 21. Panzerdivision
umbenannt und zugleich umgegliedert. Auch findet ein
Austausch mit Truppenteilen der 15. Panzerdivision statt.
Beide deutschen Panzerdivisionen werden nach und nach
zur Auffrischung und Ausbildung in Lager am Meer untergebracht.
Diese Ausbildungsaktion wird durch die enorme Hitze,
durch Betriebsstoffmangel und durch den hohen Krankenstand
beeinträchtigt. Betrug die Erkrankungszahl im Mai
noch 2500 bei einer Verpflegungsstärke von 30000
Mann, erreicht sie im Juli 8000, im August 10000 und
im September 11000. Inzwischen hat sich allerdings die
Verpflegungsstärke auf 48 000 erhöht.
Zu dem hohen Krankenstand unter den deutschen Soldaten
tragen Unterschenkelgeschwüre wesentlich bei. Bei
kurzen oder hochgekrempelten Hosen entstehen nach kleinsten
Verletzungen, zumal durch den verbreiteten Kameldorn,
unter den klimatischen Verhältnissen Nordafrikas
auf der Haut Blasen, die zum Platzen kommen. Sie hinterlassen
ein Geschwür mit nekrotischen Rändern, das
sich bis zu Handtellergröße ausbreiten kann
und sich im Bereich des Schienbeins als besonders hartnäckig
erweist. Bei konsequenter Behandlung, wobei das geschiente
Bein hochgelagert wird, beträgt die Heilungsdauer
etwa vier Wochen. In extremen Fällen wird die Ruhigstellung
mittels Gipsverband erzielt. Die an sich einfache Therapie
scheitert ebenso oft an Gleichgültigkeit wie an
Auswirkungen der Kampflage.
Der Mangel an sanitätsdienstlicher Versorgung
erweist sich zumal bei der Ruhr als verhängnisvoll.
Weil Betten und Transportmöglichkeiten fehlen,
müssen viele Ruhrkranke mitten in der Wüste
bei der Truppe bleiben. An zureichende Krankenkost ist
nicht zu denken. Selbst die größten Anstrengungen
der Truppenärzte können die notwendige Lazarettpflege
nicht ersetzen. Zahlreiche Kranke geraten in ein gefahrvolles
Stadium. Durch die Strapazen des schließlich als
unumgänglich dann doch eingeleiteten Abtransports
werden sie zusätzlich schwer geschädigt. Die
Todesfälle unter den Ruhrkranken sind vielfach
auf das Zusammenwirken dieser Faktoren zurückzuführen.
Während die Ruhr anfangs eher in leichten Varianten
auftritt, nehmen bald die von vorneherein ernsten Verlaufsformen
mit Kollapsneigung zu. Diese Kranken werden auf den
Hauptverbandplätzen und in den Feldlazaretten untergebracht.
Obwohl damit gewisse Absonderungsmaßnahmen verbunden
sind, bleiben Lazarettinfektionen nicht aus. Erst die
Errichtung des Seuchenlazaretts in Derna erlaubt die
konsequente Isolierung der Kranken.
Die Fülle der Ruhrerkrankungen hat den Erlass besonderer
Vorschriften zur Folge. So wird der Genuss von Obst,
das nicht desinfiziert oder gekocht ist, verboten. Übertretungen
sind als fahrlässige Gefährdung der Truppe
zu bestrafen. Den Feldküchen ist die Verwendung
von Grünzeug, das weder abgekocht noch desinfiziert
ist, untersagt. Die Desinfektion von frischem Obst und
frischem Gemüse soll durch Waschen in einer Kaliumpermanganat-Lösung
in entsprechender Verdünnung erfolgen. Das Abspülen
hat mit abgekochtem Wasser zu erfolgen. Unabgekochtes
Wasser darf auch keinesfalls zur Getränkeverlängerung
verwendet werden.
In Neapel ist Ruhr endemisch. Jedenfalls trifft dies
1941 zu, wie im Juni ein Beauftragter der Militärärztlichen
Akademie, der die nordafrikanischen Frontgebiete bereist,
feststellt. Die Einheimischen selbst erkranken meistens
nicht, weil bei ihnen eine Durchimmunisierung besteht.
Die dort für Nordafrika eintreffenden deutschen
Truppen, sofern sie sich längere Zeit in und um
Neapel aufhalten und dadurch in Kontakt mit der Bevölkerung
kommen, sind dagegen der Infektion voll ausgesetzt.
Im Truppenlager Bagnoli bei Neapel sind im Juni 1941
rund 2 400 deutsche Soldaten in Zelten untergebracht,
darunter eine für das Afrikakorps bestimmte Sanitätskompanie,
und etwa 2 100 in festen Gebäuden. In einer speziellen
Abteilung für Darmkranke mit 300 Betten sind hauptsächlich
Fälle zu finden, deren Krankheitsbild klinisch
dem der leicht verlaufenden Flexner-Ruhr entspricht).
Quelle: Ärzte im Wüstenkrieg von Rolf
Valentin
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