Würden
Sie bitte kurz Ihre militärische Laufbahn vor der
Versetzung nach Afrika beschreiben?
Am 02.10.41 wurde ich wie alle vom Jahrgang 1922 zum Kradschützen
- Ers.- Bat. 9 nach Sondershausen eingezogen.
Wurden Sie abkommandiert oder haben Sie sich
freiwillig gemeldet?
Nach Rekrutenzeit und erweiterter Ausbildung - auch mit
Skikurs in Klingenthal - wurde ich ende März, als
einzige der Kompanie kurz vor der Verlegung nach Russland,
abkommandiert zur Verwaltungstruppen Ers. - Abt. 1 nach
Berlin, sie war in einer Schule in der Nähe des S-
u. U- Bahnhof Gesundbrunnen in der Böttgerstraße
untergebracht.Außer einigen praktischen und theoretischen
Informationen über Arbeitsweise einer Feldbäckerei
gab es keine Schulung. Wir waren alle gelernte Bäcker.
Wir erfuhren erst einige Tage vor der Versetzung dass
es nach Afrika ging.
Wie erfolgte der Transport nach Afrika?
Um den 19.04.42 wurde 30 Mann (darunter auch ich) versetzt
in eine Schule in der Nähe des Schlesischen Bahnhofs,
und für Afrika eingekleidet. Hier erfuhren wir auch,
dass wir zur Bäckerei Komp. 33 ( 15. Panzer Division)
nach Nordafrika kommen. Am 23.04.42 ging es über
Hof - München - Innsbruck - Rom ging es nach Neapel.
Von dort über Brindisi nach Lecce. Nach einigen Tagen
mit einem italienischen Transportflugzeug nach Tatoi bei
Athen. Wir sollten nach Kreta fliegen, aber das Flugzeuge
hatte Probleme daher ging es nur nach Griechenland. Von
hier mit einer JU 52 nach Probleme Malemes auf Kreta,
Übernachtung, und am nächsten Tag weiter mit
der JU 52 nach Derna.
Können Sie sich noch an Ihre ersten Erlebnisse
nach der Ankunft in Afrika erinnern?
Afrika empfing uns mit einem Sandsturm. Per LKW erreichten
wir unser Einheit in die in der Oase EI Koefia nördlich
von Benghasi lag. Die Bäckerei Komp. 33 musste beim
Rückzug 1941 vor Tobruk alles Gerät liegen lassen
und hatte dadurch keine Ofen mehr. Gebacken wurde in drei
ehemaligen Privatbäckereien in Benghasi.
Schildern Sie kurz, wie lange und in welchen
Einheiten Sie in Afrika eingesetzt waren.
Im Juli 1942 wurde ich mit anderen abkommandiert zur Bäckerei
Komp. 200. Sie lag zu dieser Zeit direkt im Hafen in Marsa
Matruh. Die Wasserversorgung war zuerst schwierig. Oft
gab es nur Wasser für den Sauerteig, das übrige
Wasser für den Brotteig pumpten wir mit einer Handpumpe
aus dem gleichen neben uns liegenden Hafen, auch wenn
nicht weit davon einige versenkte Schiffe lagen. Bald
gab es auch für uns genügend Wasser. Durch Luftangriffen
bekam ein Backofen durch Splitter mehrere Löcher.
Wir wurden daraufhin in ein Wadi westlich von Marsa Matruh
verlegt. Kurz vor der Abzweigung der Wüstenstrasse
zur Oase Siwa lagen wir in unseren Zelten weit verstreut
in einem Wadi, um den Tieffliegern, mit denen immer zu
rechnen war, den Angriff schwerer zu machen.Am 5. November
1942, wir sollten noch 26.000 Brote backen und darin den
Rückzug antreten, dies wäre um Mitternacht gewesen.
Abends kam der Befehl zum sofortigen Rückzug. Wir
ließen etwa 22.000 Brote in der Wüste liegen.
Stellten ein Schild an die Strasse und hofften, dass viele
Landser sich bedienten.Wir verlegten zurück in den
Raum bei Gambut. Hier waren wir nur kurze Zeit, ließen
einige 1.000 Brot liegen und es ging zurück über
Benghasi in der Nähe von Syrte.Die Bäckerei
Komp. 33, bekam neues Gerät und wir kamen zurück
zu ihr. Sie lag in einer ehemaligen italienischer Baumschule
bei Misurata. Nach monatelanger Zeit in der Wüste,
wieder Bäume und Wasser in einem großen Becken.
Wir waren begeistert. Hier haben wir vor Weihnachten 1942
ca. 6.000 Stollen VA 33 gebacken.Am 2. Januar 1943 ging
es zurück in eine Oase in der Nähe von Gabes.
Mitte Februar in einem Olivenhain bei Sfax und im März
in einen Hain nördlich von Grombalia, auf der Halbinsel
Bone. Wahrscheinlich sollte die 15. PD in den Raum westlich
von Tunis verlegt werden, denn am Morgen des 7. Mai bekamen
wir Marschbefehl in diesem Raum. Ungefähr um die
gleiche Zeit begannen die Engländer den Angriff auf
Tunis. Waren ein paar Lkws beladen fuhren los. Am Nachmittag
fuhr ich und ein zweiter LKW unserer Einheit durch Tunis,
niemand war zu sehen eine Ruhe lag über die Stadt.
Wir waren das letzte Fahrzeug unserer Kompanie das Tunis
passierte. Hinter uns muss bald der Tommy gekommen sein,
so blieb der Rest der Kompanie auf Cap Bone und ging dort
in Gefangenschaft. Der größere Teil, mit den
Backöfen und anderem Gerät sammelte sich in
einem Hain nordwestlich von Tunis. Hier kam am 8. Mai
abends der Befehl die Waffen, Fahrzeuge und das Gerät
vernichten, heute Nacht wird der Abschnitt westlich von
Tunis übergeben. Die LKW wurden mit Benzin übergossen
und angezündet und die Feuerung der Backöfen
wurden durch Handgranaten zerstört. Die Bäckerei
Kompanie 33 hatte aufgehört zu bestehen.
Heutzutage wird das Afrika-Korps immer in
Verbindung mit dem Mythos Rommel genannt. Wie dachte und
sprach man bei bei den Soldaten?
Mit Hochachtung und wir waren stolz unter seiner Führung
zu sein.
Hatten Sie jemals Kontakt zu Generalfeldmarschall
Rommel?
Nein.
Fühlte man sich damals als "Afrikakämpfer"
als etwas Besonderes oder war es aus der damaligen Sicht
ein Kriegsschauplatz, wie jeder andere?
Als was Besonderes fühlten wir uns nicht, aber Afrika
und die Wüste war schon was Besonderes.
Rommel genoss bei den alliierten Soldaten
großen Respekt. Wie dachte man bei Ihnen über
den Befehlshaber der gegnerischen Seite "Bernard
Montgomery" und die Gegner im Allgemeinen?
Wir achteten sie als faire Gegner.
Wie wurde man über die kriegerischen
(und politischen) Ereignisse unterrichtet?
Über die Feldzeitung "Oase".
Wie dachte man über die italienischen
Soldaten bzw. die italienische Führung, bzw. wie
war der Kontakt zu Ihnen?
Sie waren gute Kameraden. Wenn ich ihre Bewaffnung sah
taten sie mir Leid. In Tunesien hatten sie noch leichten
Panzer mit der kleinen kurzen Kanone, die man auf eine
LKW Anhänger verladen konnte usw.
Wie sah der Alltag in Afrika aus? In Bezug
auf Verpflegung, Kleidung, Freizeit, Urlaub, Kontakt zur
Heimat, etc.
Verpflegung sehr eintönig.Kleidung die übliche
Tropenausrüstung.Für Angehörige der Feldbäckerei:
bei den 33er, je sechs Stunden Backen, Ruhezeit, Bereitschaft
zur sonstigen Arbeit wie Brot verladen, Mehl abladen usw.
sowie Holz für die Backöfen zerkleinern. Bei
Marsa Matruh machten das Holzzerkleinern Kriegsgefangene
und in Tunesien Araber die dafür bezahlt wurden.
Bei den 200er war der achten Stunden Rhythmus. Am Sonntag
Schichtwechsel. Kein freier Tag.Urlaub? Am 8. Mai 1943
gingen 22 Angehörige der Kompanie die zwei Jahre
in Afrika ohne Urlaub waren in Kriegsgefangenschaft. Nach
einem Jahr bei der Kompanie stand ich auf dem Urlaubsplatz
72.Kontakte zur Heimat: die Feldpost
Gab es Kontakte zu alliierten Kriegsgefangenen?
Bei Marsa Matruk hatten wir südafrikanische Kriegsgefangene
zum Holzzerkleinern, sie arbeiteten sehr gerne bei uns.
Es gab manches Gespräch mit ihnen. Einmal sagte einer
zu mir: wenn der Krieg zu ende ist, wird Rommel ihr Präsident!
Sie hatte immer mittags in der größten Hitze
zwei Stunden Pause. Wir nicht.
Wie veränderte sich im Laufe der Zeit
die Nachschublage in Bezug auf Munition, Treibstoff, Lebensmittel,
etc.?
Bei Marsa Matruh klappte öfters der Mehlnachschub
nicht. Manchmal konnten wir daher kein Brot backen. Oft
bekamen wir italienischen Weizenmehl zum Mischen mit dem
Roggenmehl. Da das Kommisbrot aus Roggenmehl gebacken
wurde, gab es immer Umstellungen der Rezeptur und der
Sauerteigführung.
Wie und wann gerieten Sie in Gefangenschaft?
Nach der Kapitulation der westlich von Tunis gelegenen
Truppenteile, am 9. Mai 1943 nordwestlich von Tunis von
den Amerikanern.
Beschreiben Sie den Verlauf Ihrer Gefangenschaft
und das Leben im POW-Camp.
Nach dem ersten Lager westlich von Bizerta ging es nach
Bone, nach einiger Zeit per Schiff nach Oran. Mit dem
LKW in ein Lager in der Wüste südlich von Oran.
Französische Wachmannschaften waren schon gekommen
um das Lager zu übernehmen, ging es zurück zum
Hafen von Oran und am nächsten Tag mit dem Schiff
nach New York. Von Jersey City mit der Bahn über
St. Louis, Kansas City, Dallas. Austin in das PoW Camp
Swift. Nach Arbeitseinsatz in der Offiziersmesse des Amerikanischen
Lazarett, Baumwollhacken, Ziegelei usw. kam ich im Sommer
1943 in die Bäckerei des Truppenübungsplatzes.
Im Camp Swift wurden die Divisionen zusammengestellt,
für ihren Einsatz in Übersee ausgebildet und
dann in die Verschiffungshäfen gefahren. Die Bäckerei
wurde erst 1943 gebaut und mit modernsten Gerät eingerichtet.
Für uns Bäcker sehr interessant mit Maschinen
und Öfen ausgestattet die wir damals nicht kannten,
denn sie gab es bei uns noch nicht. Zwei grosse Teigmaschinen
ganz anders wir bei uns üblich, mit Thermometer und
Hohlraum im Stahlbottich, wenn man sah der Teig wird zu
warm, konnten man diesen mit gekühlten Wasser füllen
lassen. Da das Wasser aus in großen auf Stahlgerüsten
stehenden Hochbehälter kam, war es im Sommer oft
sehr warm, so konnten wir dieses Wasser auch kühlen,
damit der Teig nicht zu warm wurde. Der Teigruheraum (90
Minuten) hatte 28°. Teigteiler, Rundwirker, Zwischengärraum
und Wirkmaschine, mit anschließendem Gärraum
und zwei gasbeheizte Backöfen vervollständigten
die Ausstattung. Wir haben nur Brot in Kästen gebacken.
Einmal in der Woche gab es Grahambrot, es hatte 20% Weizenschrot
und einmal Roggenbrot, hatte 20% Roggenanteil oder Rosinenbrot.
Die Rezeptur war bei allen Sorten gleich. Durch unser
Fachwissen waren wir Bäcker bald sehr geachtet. Nach
ende des Krieges kam als Leiter ein Feldwebel, sein Vater
hatte eine Bäckerei in Chicago und gab sehr an. Wir
hörten wie der andere Amerikaner einmal zu ihm sagte:
Lass doch die in Ruhe, die verstehen doch mehr von der
Bäckerei als du. Kurz bevor es aus der Armee entlassen
wurde, Oktober 1945, frug er mich (wir waren einmal fachlich
hart an einander geraten) ob ich nicht zu seinem Vater
nach Chicago kommen wolle, dieser würde alle Einreiseformalitäten
erledigen, zahlt die Überfahrt und alle Gebühren.
Ich wollte heim und sagte nein. Im Januar 1946 verabschiedete
sich der Inspektor für Armee - Bäckerei und
sagte zu uns: Er hat schon viele Bäckerei gesehen
und kontrolliert, in Südafrika, Europa und in den
USA, aber so ein sauberes Arbeiten wie der deutschen PoW
hier, noch nicht. Am Ostersamstag 1946 ging es per Bahn
über Kansas City, St. Louis, an den Schlachthäusern
von Chicago vorbei über Detroit Port Huron nachts
durch Canada, westlich der Niagarafälle zurück
in die USA über Syracus an Hudson entlang nach Camp
Shank nördlich von New JOR. Am Mittwoch Mittag waren
wir schon auf dem Schiff das uns nach Europa gebracht
hat. Auf dem Atlantik hatten wir Sturm Windstärke
12. Die meisten wurden Seekrank. In Le Havre ausgeladen
und in das dortige Camp gebracht. Anfangs Mai Übergabe
an die Franzosen. Amerikanische Kleidung abgeben und alte
deutsche Uniformstücke erhalten. Über Paris
und Metz ging es in das Lager St. Avold. Von dort in das
Lager der Kohlengrube Merlebach. Ich wurde für den
Holzlagerplatz eingeteilt. Holz abladen, es kam meistens
aus dem Schwarzwald, das Holz für die Grube passend
zersägen und stapeln, war nun unsere Aufgabe.Das
Lager lag in einer abgebauten Sandgrube unweit der Grenze
zum Saargebiet, das von Frankreich verwaltet wurde. Wegen
der Nähe zur Grenze flohen immer Kameraden. So reifte
bald der Entschluss zu fliehen.Nach langer Planung und
Vorbereitung mit meine Freund Heiner Pflaum aus Pegnitz
wagten wir am 8. September 1946 abzuhauen. Bei Trechtingshausen
ging es über den Rhein in die Amerikanische Zone.
Bei einer Kontrolle der Amis vor Assmannshausen, konnte
ich die Amis ablenken und Heiner Pflaum konnte in Assmannshausen
verschwinden. Über Frankfurt war er am nächsten
Tag zu Hause in Pegnitz. Mich nahmen sie mit nach Bad
Schwalbach. Im dortigen Polizeigefängnis landete
ich am Abend. Es hiess wir würden innerhalb drei
Tagen den Franzosen übergeben. Da ich eigentlich
( auf dies pochte ich) amerikanischer Gefangener war,
wusste man nicht was sie mit mir machen sollen. Ende Oktober
kam der Bescheid der Amerikanischen Militärregierung
in Berlin ich sei zu entlassen. Durch deutscher Polizei
wurde ich in das Lager nach Marburg gebracht und dort
4. November 1946 entlassen.
Wie war die Behandlung durch die Alliierten?
Durch die Amerikaner immer gut und fair. Nach der guten
Behandlung der Amerikaner war die Behandlung in Frankreich
eine eiskalte Dusche.
Wie erfuhren Sie vom Ende des Krieges?
Durch die Zeitung und Radio. Wir konnten uns in Amerika
Zeitungen kaufen. Abgedruckt war oft die Wehrmachtsberichte
vieler Länder und auch der Deutsche abgedruckt. Wir
waren daher gut informiert.
Sind Sie nach dem Krieg noch einmal zum Kriegsschauplatz
Afrika zurückgekehrt?
8. Sonderreise 18.10. - 28.10.82. Frankfurt - Kairo -
Sollum - Marsa Matruh und Gedenkfeier in EI Alamein -
Kairo - Frankfurt.15. Sonderreise 11.10. - 24.10.95. Frankfurt
- Tunis - Djerba - Tripolis - Syrte - Benghasi - Derna-
-Tobruk - Marsa Matruh - Gedenkfeier in EI Alamein - Alexandrien
- Kairo - Frankfurt.
Ich danke Herrn Prechtel für das Interview. |