Würden
Sie bitte Ihr Leben vor dem Krieg beschreiben?
Ich wurde 1924 in Kiel geboren. Meine Eltern waren "Mittelstand".
Kiel hatte damals eine massive Arbeitslosigkeit, da die
Werften nicht viel Tätigkeit ausübten. Die Arbeiterviertel
waren sehr unter kommunistischem Einfluss. Die Viertel
der oberen Klassen hatte viele vormalige Offiziersfamilien.
Ich weiss nicht ob Sie wissen, dass die kaiserliche Flotte
sich 1918 weigerte gegen die Engländer auszulaufen.
Soldatenräte hissten die rote Flagge, Offiziere wurden
verhaftet. Ich weiss dieses nur von meinen Eltern und
älteren Verwandten. Da Deutschland nur eine kleine
"Reichsmarine" erlaubt wurde unter dem Versailler
Vertrag, war nur wenig davon nachgeblieben. Mein Vater
war ein Veteran des Ersten Weltkrieges in der Preussischen
Armee in Frankreich. Wie die Aufstände der "Roten"
stattfanden und Veteranen zu Freikorps bei der neuen Reichsregierung
aufgerufen wurden, war mein Vater während des Kappputsches
in Berlin dabei. Unser Leben als Kinder, ich hatte eine
Schwester die drei Jahre älter war, war nicht sehr
schlecht. Wir hatten eine Mietwohnung, genug zu essen
und ich erinnere mich nur an die Wahlzeiten wenn Panzerwagen
und berittene Polizei auf der Strasse waren. Insbesondere
in 1932 fur die Reichstagswahlen. In Kiel, die Kommunisten
und die NSDAP sowie Deutsch-Nationalen (Stahlhelm) - alle
hatten uniformierte Verbaende die aufeinander prallten
in Gaststätten wo Wahlversammlungen stattfanden und
auf der Strasse. Ich war noch nicht 9 Jahre alt, als am
30 Januar 1933 die NS/Deutsch National Koalition die "Macht
uebernahm". Es dauerte ja nicht lange fuer die "Gleichschaltung"
(Auflösung der Jugendverbände der anderen Parteien
und der Kirchen) und der Uebernahme von vielen in die
Hitlerjugend begann. (natuerlich nicht der Kommunisten
und Sozialdemokraten).
Das Leben wurde besser in ein paar kurzen Jahren da die
Werften mit der Aufrüstung begannen und Minenwerfer
und andere Kriegsschiffe vom Stapel liefen. Bald folgten
Zerstoerer, Kreuzer und Panzerschiffe. Erwachsenen hätten
doch die "Handschrift an der Wand" lesen müssen,
was hier vorging. Da mein Vater Polizeibeamter war, wurde
Politik nicht viel diskutiert. Er machte Entschuldigungen
wie "wo gehobelt wird fallen Späne". Das
führte zu lebhaften Diskussionen mit meinem sozialdemokrtischem
Onkel und meinem anderen Onkel, der mit uns lebte - der
Bruder meiner Mutter die ein Schuhgeschaeft und Schuhmacherei
zusammen hatten. Mit dem dauernden Spannungen durch wieder
Militarisierung des Rheinlandes, Anschluss von Oesterreich,
Sudetenland "Uebernahme"
und die Auflösung von der Tschechei . Mein Onkel
sagte Hitler wuerde Deutschland zerstören, wenn mein
Vater nicht dabei war. Ich war 15 wie der Krieg ausbrach
und mit 16 war ich nachts beim Schnellkommando und wir
mussten Brandbomben löschen und Menschen aus zerstörten
Häusern retten. Da Kiel ein militaerisches Ziel war
durch die Kriegsmarine, Werften, U-Boot Basis und dem
Nord-Ostseekanal hatten wir "Besuch" der RAF
vom Anfang an. Wir wurden ausgebombt 1941 und wohnten
mit einer anderen Familie in einem Vorort in einem sogenannten
"Siedlungshaus".
Wurden Sie zu dieser Zeit bereits vormilitärisch
ausgebildet?
In der HJ, die 1935 (glaube ich) Pflicht wurde, wurden
wir ausgebildet mit Kleinkaliber Gewehren, vormilitärischer
Ausbildung und Spezialausbildungen. Ich war in der Nachrichten
HJ da ich am Telefonwesen interessiert war. Wir wurden
von der SS ausgebildet.
Welche Eindrücke hatten Sie und Ihre Eltern als der
Krieg begann?
Meine Familie war geteilter Meinung. Zwei meiner Onkel
sagten es würde das Ende Deutschlands werden. (natuerlich
hatten sie recht).Mein Vater war nich zu Hause viel wegen
Dienst durch Flegerangriffe usw.
Gab es einen Wendepunkt dieser Eindrücke?
Ich wurde im May 1942 eingezogen in Ratzeburg Holstein
zu einer Panzerabwehr Einheit. Wir wurden nach Dänemark
(Tondern) gebracht und hatten die doppelte Aufgabe: Besatzung
und Grundausbildung. Der Teil,in Deutschland Nord-Schleswig
genannt und in Dänemark Süd Jütland, fiel
an Dänemark nach der Völkerbund bestimmten Abstimmung
in 1920 oder so.Es hatten ein grosse Zahl von Volksdeutschen.
Wir sagten den Dänen wir seien hier um Euch zu beschützen
und diese antworteten "Wir brauchen nur Schutz gen
Euch!"
Nach der rationierten Wirtschaft zu Hause war dies wie
ein Paradies, da die Schlachterläden, Konditoreien
usw. voll von Waren waren, die es schon lange nicht mehr
zu Hause gab. Wir konnten ein Lebensmittelpaket im Monat
nach Hause schicken. Wir teilten die Kaserne mit dänischem
Militär, da wir nich im Kriegszustand mit dem Land
waren. Es wurde besetzt vor der Besetzung von Norwegen.
Meine Mutter war in Norschleswig geboren! Am Ende der
Grundausbildung bekamen wir einen Feldwebel, der den ersten
Winter in Russland mitgemacht hatte und den "Gefrierfleisch
Orden" trug. Wir waren für Russland bestimmt.
Aber nach der alliierten Landung in Nord Afrika im November
brauchte man Freiwillige, die tropenfähig waren.
Der Feldwebel sagte, du wirst in Russland umkommen - melde
Dich nach Afrika! Ich machte das.
Wie begann Ihre militärische Ausbildung?
Meldeten Sie sich freiwillig?
Nein schon oben erwähnt. Von Tondern kam ich nach
Lübeck, was schon heftige Zerstörungen von der
RAF hatte.Die Ersatzeinheit für die Panzerarmee Afrika
wurde aufgestellt. Wir fuhren wie üblich in Güterwagen
vom Norden durch die "Ostmark", Brenner Pass,
Florenz, Rom, Neapel nach Reggio de Calabria am Stiefel
von Italien. Von dort mit einer Flotte von Ju-52 nach
Tunis. Die RAF kam immer von Malta, wenn eine grosse Landung
bevorstand, da die Briten den deutschen "Code"
gebrochen hatten.. Meine militaerische Laufbahn war nicht
lang. Ich wurde dem 47. Panzergrenadier Regiment zugestellt
als Panzerabwehr. Wir nahmen an vielen kleinen Kampfhandlungen
teil, mit Italieners und anderen Kampfgruppen gegen Briten
und Freien Franzosen und am Kasserine Pass gegen die Amerikaner,
Das war die größte Kampfhandlung, an der ich
teilnahm und einer der letzten erfolgreichen Unternehmen
des gesamten Afrikakorps und der Panzerarmee Afrika bevor
Rommel nach Deutschland zurückkehrte.
Wurden Sie ausgezeichnet? Bitte schildern
Sie die Gründe?
Nein keine Auszeichnungen, keine Beförderungen. Im
ersten Sammellager sollten wir noch einen Rang höher
befördert werden, aber ich hatte kein Interesse daran.
Gibt es besondere Ereignisse, an die Sie sich
erinnern?
Die gesamten deusch/italienischen Streitkräfte kapitulierten
im Mai 1943 auf der Kap Bon Halbinsel nahe Tunis. Der
Befehl war: Munition, Treibstoff und Verpflegung erschöpft,
nach Befehl daher nicht in der Lage den Kampf fortzusetzen,
"Das Afrika-Korps muss weiterleben, Hei Safari".
Von Tunis brachte uns ein Küstenfrachter nach Algier
in ein englisches Lager und dort in das Hospital wegen
Dysenterie
In Tunis - U-Boot Angriff im Hafen, vieleVerwundete. Alle
"Kranken" im Hospitalszug nach Oran. Dort amerikanisches
Lager unter franzoesischer Bewachung. Dann mit einem "Liberty
Schiff' im Konvoi durch Gibraltar und Zick-Zack Kurse
mit Zerstörer Eskorte in drei Wochen
nach den USA. In der Lageluke, eine Decke, keine Essgeschirr,
da alles abgenommen wurde. Unten keine Toiletten oder
Waschanlagen. Kalte Dosen (C-Rationen der US Armee)
Wie war die Unterbringung/Verpflegung?
In Zelten oder in Erdlöchern. Kalte Rationen, keine
Früchte oder Gemüse. Aber besser wie die der
Italiener.
Wie war der Eindruck bezogen auf die Verbündeten?
Im großen und ganzen keine guten Soldaten. Schlecht
ausgebildet, bezahlt und Offiziere oft nicht an der Front.
Wie war die Ausrüstung (Menge und Qualität)?
Unsere Ausrüstung war gut, und die US Armee hat davon
viel uebernommen: Form des Helms, Koppel nicht Leder,
Stiefel auch so (Vietnam und Gulfkrieg gebraucht bei den
US)
Wie war das Verhältnis zu den Vorgesetzten?
Nach der Ausbildung, gut.
Wie und wo erlebten Sie das Kriegsende?
In Fort Knox Kentucky. Wir wurden von der Arbeit zurückgebracht
und der Kommandant verlas die bedingungslose Kapitulation
der deutschen Wehrmacht.
Schildern Sie bitte die Stationen Ihrer Kriegsgefangenschaft
bis zu Ihrer Heimkehr.
Ich gab schon an bis zur Landung in New York. Entlausung
nach der langen Reise in der Lagerluke. Im Pullmanzug
nach Texas. Essen wurde von Trägern zum Sitz gebracht,
wir durften nicht den Sitz verlassen und mussten die Hand
heben, wenn wir die Toilette besuchen wollten. Erstes
Lager Hearn Texas (ich wohne 1 ½ Stund bei Auto
von dort hier. Ermordung des Dolmetschers des Kommandanten
ein KG, ich war Kompanie Sergeant (US) Uebersetzer und
fürchtete für mein Leben und bat um Versetzung.
Wurde mit einer Gruppe von 500 nach Ft. Knox gesandt,
da das Lager von Italienern geräumt wurde, nach der
Freilassung dieser KGs.)
Ich blieb hier bis Maerz 1946, als wir nach Hause gehen
sollten. Aber in Liverpooil endete diese Reise. 11/2 Jahre
arbeitete ich in der Landwirtschaft in Schottland und
nach der Aussonderung in Gruppe weis, grau und schwarz
(die meisten waren grau"Politisch indifferent",
schwarz SS)
Und weis ältere mit politischen Anti-Hitler "back-ground".
Entlassen1947 in Munsterlager.
Ich habe ein Buch über mein Leben, geschrieben bei
meiner Frau, es ist in Englisch und am amerikanischen
amazon.com erhaeltlich. Der Titel (vom Verfasser gegeben)
"The Reluctant Warrior, former German POW finds peace
in Texas".
Die Geschichte geht weiter. Ich war Übersetzer für
den "British Resident Officer" Kiel von 1947
bis 1953 als ich nach den USA auswanderte. Ich hatte einen
"sponsor' ehemaliger KG in Ft.Knox der Flüchtling
aus Schlesien war und in Kiel landete. Er hatte viele
Verwandte in Minnesota. Er erhielt sein Visum 1952 und
half mir ein Jahr später nachzukommen.
Nach den üblichen Problemen sich in einem fremden
Lande auszufinden, heiratete ich eine Amerikanerin. Wir
begannen eine adoptions agentur (non-profit) adoptierten
3 Kinder, hatten einen Sohn. Nun ist eine meiner adoptierten
Toechter aus Bogota, Kolumbien der Leiter der Agentur
die ich fur 20 Jahre geleitet habe (unser web-site http://www.losninos.org)
Ich danke Herrn Erichsen für das Interview. |