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Interview
Helmuth Orschiedt Veteran der 15. Panzer-Division |
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Name:
Helmuth Orschiedt |
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Rang: Kanonier, Gefr.,
Uffz (40-42); 42-43 Fhj.-Wachtmeister; 44-45 San.-Feldwebel |
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Einheit: Art.Rgt.
33 in Afrika |
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Würden
Sie bitte Ihr Leben vor dem Krieg beschreiben?
Ich bin 1923, mitten in der größten Inflation
aller Zeiten, als ein Laib Brot Millionen von Mark kostete,
geboren und meine Eltern hatten trotzdem den Mut dazu.
Heute überlegt man sich, Kinder zu zeugen, wenn der
Zweitverdienst nicht gesichert ist.1929 kam ich in die
Volksschule. Viele Kinder litten Hunger. Wir hatten einen
in der Klasse, der aß die Bananenschalen, die man
wegwarf. Ich habe ihm oft mein halbes Pausenbrot gegeben,
das er gierig verschlang. - Ich kann mich auch noch an
die vielen jungen Arbeitslosen erinnern, die, Hände
in den Hosentaschen, auf den Straßen herumstanden.
Über 6 Millionen waren es damals und das Arbeitslosengeld
war sehr mager. Es gab auch 3er Zigarettenpackungen (wegen
der geringen Kaufkraft) zu 10 Pfennige, also 3 1/3 Pf.
das Stück. Ein fruchtbares Umfeld für den Kommunismus
oder den Nationalsozialismus. Die deutsche demokratische
Regierung bekam die Lage nicht in den Griff, auch deswegen
nicht, weil jegliche Investition in Folge des Friedensdiktats
von Versailles durch die Deutschland aufgezwungenen Reparationszahlungen
unmöglich war. Aus heutiger Sicht meine ich, daß
der Nationalsozialismus schon in Versailles seinen Anfang
nahm und durch die immer schlimmer werdende wirtschaftliche
Situation eskalierte. 1933 bis 1940 besuchte ich das Realgymnasium.
Ich war auch Mitglied im Jungvolk und war zuletzt Fähnleinführer.
Das Jungvolk hat uns Buben viel Spaß gemacht, es
war so wie bei den Pfadfindern, etwas politisch angehaucht,
natürlich. Aber Zeltlager, Fahrten mit all deren
Romantik, das Zusammensein mit Gleichalterigen erweckten
unsere Begeisterung. Über die politische Entwicklung
zerbrachen wir uns nicht den Kopf, denn es ging wirtschaftlich
steil aufwärts und 1936 gab es kein Arbeitslosenproblem
mehr. Deutschland befreite sich von einigen Fesseln des
Versailler Diktats. 1938 waren wir verblüfft auf
dem Weg zur Schule verwüstete jüdische Geschäfte
und brennende Synagogen zu sehen.
Wurden Sie zu dieser Zeit bereits vormilitärisch
ausgebildet?
Im Jungvolk wurde keine vormilitärische Ausbildung
gemacht.
Welche Eindrücke hatten Sie und Ihre
Eltern als der Krieg begann?
Wir waren sehr überrascht, als der Krieg begann und
hatten nicht damit gerechnet, dass England und Frankreich
dem Deutschen Reich den Krieg erklären. Die deutsche
Wehrmacht war keinesfalls gerüstet für einen
großen Krieg, auch wenn oft etwas anderes behauptet
wird. Ich würde sagen, die Leute machten lange Gesichter
und waren keineswegs begeistert. Plötzlich musste
man Sandsäcke füllen und vor die Kellerfenster
legen. In unserem Haus wurde ein Luftschutzkeller mit
einer Stahltür und einem betonierten Notausstieg
für uns und die Nachbarschaft eingerichtet (auf unsere
Kosten).
Gab es einen Wendepunkt dieser Eindrücke?
Nach dem Frankreichfeldzug meinte man, das Gröbste
überstanden zu haben. Die Wende in der Meinung kam
wohl 1942 als die Bedrohung durch die Sowjetunion und
die Fliegerangriffe auf bewohnte Gebiete immer stärker
wurden. Es blieb nichts anderes übrig als durch zu
halten, denn jeglicher Aufruhr wurde angesichts des sich
in Kraft befindlichen Kriegsrechts sofort durch die Todesstrafe
vereitelt.
Wie begann Ihre militärische Ausbildung?
Meldeten Sie sich freiwillig?
Im Oktober 1940 habe ich mich, wie viele meiner Klassenkameraden,
freiwillig gemeldet. Ich volontierte zur Artillerie und
wurde zum Art.Rgt. 33 eingezogen.
Schildern Sie kurz die Stationen ihrer Ausbildung?
Okt 1940 bis Dez. 1940 Grundausbildung.
Jan.1941 bis April 1941 Truppenübungsplatz
Apr. 1941 bis Mai 1941 Verlegung auf den libyschen Kriegsschauplatz.
Juni 1941 Sollumschlacht,
Aug 1941 Abkommandierung nach Deutschland
Sept 1941 bis Feb 1942 Artillerie-Waffenschule Jüterbog
März 1942 bis Juni 1942 Lazarettaufenthalt wegen
Scharlach
Juli 1942 bis Nov. 1942 El Alameinfront, 2 Abwehrschlachten
Nov. 1942 bis Jan 1943 Rückzug nach Tunesien
Feb 1943 bis März 1943 Lazarettaufenthalt in Sousse
und Fax.
März 1943 bis Sept 1943 Verlegung mit Lazarettschiff
über Neapel nach Deutschland und dort Lazarettaufenthalt.
Okt 1943 bis Jan 1944 Da GvH (garnisionsverwendungsfähig
Heimat) abkommandiert zur Kriegsgefangenenbewachung.
Jan 1944 bis März 1944 Umschulung für den Sanitätsdienst.
April 1944 bis Juni 1944 Einsatz an der Front vor Monte
Cassino
Juni 1944 bis Jul 1944 Rückzugsbewegungen bis zur
Poebene.
Jul 1944 bis Sept.1944 Ausbau der "Grünen Linie"
bei Pesaro, Abwehrschlacht
Sep 1944 bis Jan 1945 Absetzbewegungen bis zum Alpenrand
Jan 1945 bis März 1945 Partisaneneinsatz in Istrien
März 1945 bis Mai 1945 Lazarettaufenthalt und Kriegsende.
Mai 1945 bis Sept 1946 in britischer Obhut in Österreich
(Aufräumarbeiten, Strassen und Brückenbau etc.)
Sept. 1945 Überstellung in US Obhut und Entlassung
aus dem Wehrdienst.
Wie ging es danach weiter? Schildern Sie bitte
ausführlich Ihren militärischen Werdegang.
Siehe oben.
Wurden Sie ausgezeichnet? Bitte schildern Sie die
Gründe?
Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse, Ital. Afrikamedaille u.a.
Gibt es besondere Ereignisse, an die Sie sich erinnern?
Es gibt Dutzende, zu viele um hier unter zu bringen. Top
Ereignisse: Schiffsüberfahrt von Neapel nach Tripolis
1941 mit gegnerischen Torpedoangriffen. Überführung
Juli 1942 mit JU 52 von Kreta nach Tobruk, welche sehr
gefährlich war. Trommelfeuer bei El Alamein.
Hatten Sie jemals Kontakt zu Kriegsgefangenen?
Nein.
An welchen Gefechten/Operationen haben Sie direkt
teilgenommen?
Siehe oben.
Wie war die Unterbringung/Verpflegung?
Je nach Lage der Dinge manchmal gut, öfters schlecht.
Wie war der Eindruck bezogen auf die Verbündeten
und die Gegner?
Britische Truppen tapfer und ausdauernd. Italiener auch
tapfer, wenn gut geführt. Italienische Offiziere
waren meistens Weicheier. Die Ausrüstung der Italiener
war schlecht und entsprach nicht dem Stand der Technik.
Wie war die Ausrüstung (Menge und Qualität)?
Unsere Ausrüstung war trotz fehlender Erfahrung in
heißen Gebieten sehr gut, ausgenommen unsere LKW,
die schnell verbraucht waren. Wir benutzten überwiegend
britische Beute-LKW, die der Abnutzung in der Wüste
gewachsen waren.
Wie war das Verhältnis zu den Vorgesetzten?
Militärisch korrekt, zu manchen schlecht, zu anderen
sehr gut, eben so wie es unterschiedliche Menschen gibt.
Manche Vorgesetzten meinten sich auf Kosten der Mannschaften
einen Orden zu verdienen.
Wie und wo erlebten Sie das Kriegsende?
Siehe oben
Schildern Sie bitte die Stationen Ihrer Kriegsgefangenschaft
bis zu Ihrer Heimkehr?
Siehe oben.
Ich danke Herrn Helmuth Orschiedt für das Interview.
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