Wir beabsichtigen,
Tobruk zu nehmen. Mein 4. Angriff auf die Stadt. Aufstehen
um 03.30 Uhr, Abmarsch um 04.30 Uhr.
Wir verloren in
der Dunkelheit und im Staub die Verbindung, schlossen
dann jedoch wieder auf. Wir durchfuhren nacheinander
die Enge, in der so viele unserer Kameraden bereits
gefallen waren. Dann entfalteten wir uns - die 6. Kompanie
links, die 5. Kompanie rechts, dahinter Stab, 8. und
7. Kompanie. Das Regiment wird nun von Hohmann geführt
und besteht aus der 5. Kompanie (früher 1. und
2. Kompanie), der 6. Kompanie (5. und 6. Kompanie),
der 7. Kompanie (die übrig gebliebenen) und der
8. Kompanie (4. und 8. Kompanie) - insgesamt 80 Panzer.
Die britische Artillerie schoß plötzlich
auf uns. Wir greifen an. Kein deutscher Spähtrupp
war zur Aufklärung voraus angesetzt. Eine Kanonenreihe
nach der anderen tauchte in der dreieckigen Feldbefestigung
vor uns auf. Die 2 leichten Züge der Kompanie und
meine Gruppe sollen aus der Flanke anfallen. Ich greife
an. Ein Funkspruch besagt, dass der Kompaniechef der
6. Kompanie einen Kettentreffer hat. Dann geschieht
alles ganz schnell. Ein fürchterliches Krachen
vorn rechts. Artillerietreffer? Nein? Es muß eine
Mine gewesen sein. Eine rasch abgesetzte Funkmeldung:
"Schorm auf eine Mine gefahren, versuche in unserer
eigenen Spur zurückzusetzen." 5 Meter zurück,
eine neue Explosion - jetzt links. Nun ist es vorbei
mit dem Fahren. Weitere Funkmeldung: "Beim Rückwärtssetzen
erneut auf Mine gefahren. Sitze um auf Panzer 623."
100 Meter zurück durch Artilleriefeuer - habe es
geschafft. Funkbefehl: "Panzer zurücksetzen,
hinter Höhenrippe." Den Männern im "Minen-Panzer"
geht es den Umständen entsprechend gut.
Der Feind
greift mit Panzern an, wird aber im Kampf bezwungen.
Vorsichtig zurück. Dann sichere ich zusammen mit
dem letzten Panzer der Kompanie und Leutnant Rocholl
nach Norden. 9 Panzerkampfwagen Typ III und 3 Panzerkampfwagen
Typ II der 6. Kompanie mußten wegen Minenschäden
aufgegeben werden. In meinem Zug der Zugführerwagen
und die beiden Panzer der Gruppenführer. Selbstverständlich
setzt der Feind das Feuer auf uns noch einige Zeit fort.
Eine leichte Veränderung der Stellung: vorwärts,
rechts - rückwärts, links! Mit der Ankunft
des Kompaniechefs soll ich zusammen mit Leutnant Dim
nach vorn, um die Panzer zu bergen.
Während wir unterwegs sind, erhalten wir aus einer
Enfernung von 550 Metern Feuer von Maschinengewehren
und Paks. Ich bringe sie mit Sprenggranaten zum Schweigen
und fahre mit dem Heck voraus in der Spur des Panzers
624. Dann beginnt die mühselige Bergungsarbeit.
Das Panzerabwehrfeuer beginnt erneut und muß durch
Leutnant Dim mit anhaltendem Maschinengewehrfeuer unter
Kontrolle gebracht werden. Leutnant Dim fährt dabei
ebenfalls auf eine Mine und beschädigt eine Kette.
Endlich bewege ich mich mit dem Panzer 624 im Schlepp
langsam fort, durch die Lücke und dann noch weitere
800 Meter. 250.000 Mark sind gerettet. Die Besatzung
ist wirklich erleichtert, ihren Panzer wieder zurück
erhalten zu haben. Weiter zurück zur Abteilung.
Es ist nun später Nachmittag. Sturzkampfbomber
und zweimotorige Kampfflugzeuge haben den Feind kontinuierlich
angegriffen. Trotzdem führen die Briten mit Panzern
wiederholt Gegenstöße. Sowie die Flugzeuge
verschwunden sind, beginnt die Artillerie mit wütendem
Feuer.
Es beginnt dunkel zu werden. Was ist Freund und was
ist Feind? Schüsse werden kreuz und quer abgegeben,
oft auf die eigenen Truppen und auf vorn eingesetzte
Panzer, die sich auf ihrem Weg zurück befinden.
Plötzlich eine Funkmeldung! Die Briten greifen
die Lücke mit Infanterie an. Es ist tatsächlich
wahr. 2 Kompanien sitzen von ihren Motorfahrzeugen zum
Kampf ab. Alle Sorten von Leuchtsignalen steigen auf
- grün, rot, weiß. Leuchtkugeln zischen in
der Nähe unserer Maschinengewehre hernieder. Es
ist bereits zu dunkel, um zu zielen. Sicher ist der
Angriff des Gegners ein Fehler. Die kleinen Fiat-Ansaldo
Panzer mit Flammenwerfern fahren nach vorn, um das Dreieck
zu säubern. Lange Flammstrahlen aus Masulöl,
dicker Rauch, furchtbarer Gestank! Wir sichern bis 23.45
Uhr und ziehen uns dann durch die Enge zurück.
Es ist eine Wahnsinnsfahrt durch den Staub. Um 3.00
Uhr hatte ich einen Imbiß neben dem Panzer. 24
Stunden im Panzer eingeschlossen - mit schrecklichen
Gelenkschmerzen und Muskelkrämpfen als Folge und
was für einen Durst!
Quelle: Bernd Hartmann - Die Geschichte
des Panzerregiment 05 |