Ihr Lieben in der
Heimat! Was mögt Ihr Euch für Vorstellungen
machen vom Leben und Treiben Eurer Männer in Libyen?
Ich schilderte anfangs die Illusionen, mit denen wir
nach Süden zogen, und wie sie uns im wahrsten Sinne
des Wortes weggeblasen wurden. Nur wenige werden unter
Euch sein, die sich aus dem gefärbten Berichten
der Kriegsberichter und den brieflichen Schilderungen
unserer Kameraden hier ein Bild machen können,
das auch nur annähernd der Wirklichkeit entspricht.
Fragt einen Angehörigen des DAK nach einigen Jahren,
welche EIndrücke ihm am lebendigsten geblieben
sind; trotz der glücklichen Eigenschaft des Menschen,
Unerfreuliches bald aus seinem Erinnern zu verlieren,
würde er antworten: Sandstürme, quälende
Fliegenschwärme und trostlose Eintönigkeit.
Alles wahrlich keine geeigneten Fotoobjekte für
Kriegsberichter!
Also bekommt ihr Bilder von Palmenhainen, Oasen, Kamelen,
Eseln, Arabern oder Bilder aus Tripolis, Bengasi oder
Derna vorgesetzt und meint, das sei unsere Welt. Weit
gefehlt! All das sieht der kämpfende Soldat nicht
oder erst nach Monaten, wenn ein günstiger oder
ungünstiger Umstand ihn ins rückwärtige
Gebiet führt. Für ihn bedeutet jeder Tag Kampf
gegen die Widrigkeiten dieses Landes und fordert immer
von Neuem ein hohes Maß an Selbstüberwindung...
...nur die Abende bringen Erholung, wenn der Sturm einschläft,
die Fliegen sich setzen, die Temperatur erträglich
wird und sich über uns der klare Himmel mit ungezählten
Sternen wölbt. Dann suchen die Augen das Siebengestirn,
das uns Tausende von Kilometern mit Euch verbindet,
und ruhige, friedliche, sehnsüchtige Gedanken erwachen
in der unermeßlichen Stille um uns her. Diese
Abende allerdings wollen wir genauso wenig vergessen
wie die Unbilden des Tages.
Unsern erbittertsten Feind in der Natur beschrieb ich
schon, den Sandsturm. Der richtige Ghibli ist im Verhältnis
zum gewöhnlichen Sandsturm selten. Er unterscheidet
sich durch seine Richtung. Vom Süden kommend ist
er bis zu 60 Grad heiß und erreicht wesentlich
größere Höhen. Wenn den ganzen Tag der
Ghibli weht, kann es geschehen, dass er gegen Abend
plötzlich die Richtung ändert, und damit die
Temperatur in wenigen Minuten um viele Grade absinkt.
Sandstürme machen oft die Sicht über 2 bis
3 Meter auch am hellen Tage unmöglich. Daher sind
Kampfhandlungen weitestgehend von ihnen abhängig.
Es gibt keinen Schutz gegen den Sand, auch nicht in
unseren Zelten, wie es in Zeitungen der Heimat zu lesen
ist.
Und wenn kein Sandsturm bläst, - die schlimmsten
Stürme gehen im Mai zu Ende, - dann plagt uns die
Hitze. Zur Mittagszeit ruht jede Tätigkeit. Selbst
an Kampftagen geht es gegen Mittag ruhiger zu. Unsere
Wetterfrösche haben schon Temperaturen bis zu 75
Grad gemessen. Eisenteile werden so heiß, dass
man sie nicht anfassen kann und auch die unermüdlichen
Instandsetzungsdienste müssen ruhen. Ja, es ist
auch schon vorgekommen, dass Kleidungsstücke, zum
Trocknen auf den Panzer gelegt, verkohlt sind. Später
in der Heimat sah ich in einer Wochenschau, wie Soldaten
sich auf dem sonnendurchglühten Panzer Spiegeleier
brieten. Die Freude der Zuschauer darüber war groß,
so gut haben die es da unten, dachte jeder. Ich hätte
vor Zorn brüllen mögen! Wenngleich der Vorgang
als solcher möglich ist, woher sollen wir denn
die Eier nehmen und vor allem das Fett? ....
Quelle: Bernd Hartmann - Die Geschichte
des Panzerregiment 05 |