Chronologischer Ablauf:
Bemerkung des Autors: Im Zeitraum Februar - einschliesslich
April fehlen die Kriegstagebücher des OKH. Daher
ist eine tägliche Auflistung der Geschehnisse nicht
möglich. Prinzipiell wurden aber in dieser Zeit alle
Verbände bis zur Offensive auf die Ain-el Gazala
Stellung aufgefrischt.
1. Februar 1942
Kriegstagebuch des OKH
1. Feind räumt anscheinend unter dem Schutze starker
Nachhutstellungen planmäßig Cyrenaika.
2. Die Armee fühlte am 31.01. mit kleineren Kampfgruppen
von Südwesten und Westen auf Maraua vor. Während
es von Südwesten vorgehenden deutschen Truppen
gelang, feindlichen Widerstand bei el Charruba (etwa
110 km ostwärts Bengasi) verhältnismäßig
rasch zu brechen, behauptete sich bei Maraua stehender
Feind gegenüber anderen deutschen Kräften
in hartnäckigem Widerstand bis zum Abend. - In
den Kämpfen des 31.1. wurden m Panzer, eine Sfl.
und eine Anzahl Kfz erbeutet bzw. vernichtet. Über
100 Gefangene wurden eingebracht.
3. Absicht für 1.2.1942: Fortsetzung der bewaffneten
Aufklärung zunächst im Raum von Maraua.
4. In der Zeit vom 21. bis 31.1. wurden rund 3 000 Gefangene
eingebracht.
5. Armee=Gefechtsstand: Bengasi.
2. Februar 1942
Kriegstagebuch des OKH
1. Feind setzte am 1. 2. Räumung der Cyrenaika
fort. Er versuchte, unser Vorgehen durch zahlreiche
Straßensprengungen und Verminungen aufzuhalten.
2. Nach Überwindung hartnäckigen Widerstandes
bei Maraua stießen die deutschen Kampfgruppen
weiter nach Osten vor und gewannen bis zum Abend Gegend
südwestlich Cirene.
3. Absicht für 2. 2. 42: Fortsetzung der bewaffneten
Aufklärung in Richtung Berta.
Von: Dtsch. Gen. b. H.Qu. d. Ital. Wehrm. 1.2.42 An:
Panzerarmee Afrika la 22.00 Uhr Generaloberst Cavallero
hat am 1. 2. folgendes Telegramm an General Bastico
gesandt:
Nachstehend übermittle ich die Weisungen des Duce
für die Fortführung der Operationen:
Grundlage aller operativen Pläne für die Kampfführung
bleibt die Aufgabe, jederzeit mit den deutsch=italienischen
Truppen in Libyen die Verteidigung von Tripolitanien
sicherzustellen. Von diesem Gesichtspunkt aus hat der
Einsatz der Verbände zu erfolgen. Im einzelnen:
1. Die Verteidigung im Raume Agedabia-el Agheila-Marada
mit Inf.Div.en wird beibehalten. Ebenso wird an der
bisherigen Verteidigungsfront Marada-eI Agheila festgehalten.
2. Eine Vorverlegung von einigen größeren
Inf.Verbänden aus dem Raum um el Agheila bis in
die Gegend von Agedabia und Antelat (außer der
schon vorgezogenen Div. "Sabrata") wird gestattet,
wobei jedoch trotzdem die Auffrischung dieser Einheiten
gewährleistet sein muB. Vorhandensein ausreichender
Transport mittel ist Voraussetzung. Eine Div. kann diese
Bewegung sofort durchführen. Die in Ziff. 1 genannte
Verteidigungslinie muß jedoch besetzt bleiben
von mindestens zwei Divisionen (nicht eingerechnet die
Besetzung von Marada und gegebenenfalls Gialo). Die
in der Verteidigungsstellung bei el Agheila verbleibenden
Divisionen müssen dort aufgefüllt werden.
3. Nach diesen Bewegungen ist unter dem Schutz der vorverlegten
Inf.Divisionen eine vorgeschobene Versorgungsbasis einzurichten
für die Versorgung in der westlichen Cyrenaika
bis zum Zeitpunkt, zu dem der Hafen von Bengasi ausgenutzt
werden kann.
4. Die Inbesitznahme der westlichen Cyrenaika hat den
Zweck, Bengasi zu schützen , und bleibt Aufgabe
von ständig oder für diesen Zweck mot. Verbänden,
um keinesfalls an ein bestimmtes Gelände gebunden
zu sein.
5. Die zur Sicherung von Bengasi eingesetzten Truppen
werden unterstützt durch die Panzereinheiten, deren
Bewegungsfreiheit verbleibt unter Beachtung der in Ziffer
1-4 erlassenen Weisungen.
6. Zur Ausnützung der durch die augenblickliche
Lage gegebenen Möglichkeiten können die Panzereinheiten
weitgehend Operationsfreiheit erhalten, um in der mittleren
Cyrenaika noch dem Feind Verluste zuzufügen und
Material zu erbeuten. Nach Ausführung dieser Operation
sind die dabei beteiligten Kräfte gemäß
den oben angeführten Weisungen wieder zu versammeln.
7. Es wird eingehend darauf hingewiesen, dass die Versorgung
über See äußerst schwierig ist und bleiben
wird, besonders auf Grund der fast völligen Erschöpfung
der Heizölvorräte.
8. Enge Zusammenarbeit mit der Luftwaffe für jede
mögliche Entwicklung der Lage ist vorzusehen.
9. Generaloberst Rommel wird gebeten, dem italienischen
Oberkommando Nordafrika seine Absichten auf Grund dieser
Weisungen zu melden, besonders hinsichtlich des Einsatzes
der Verbände gemäß Ziffer 6. gez. Cavallero
3. Februar 1942
Kriegstagebuch des OKH
1. Feind ging am 2. 2. mit 11. ind. Brigade, von de
Martino gedrängt, Richtung Derna zurück.
Die weiter südlich auf Martuba ausweichende 5.
ind. Brig. wurde 2. 2. nachmittags von deutschen Kampfgruppen
westlich Gasr el Carmusa (20 km südwestlich Derna)
angegriffen. Hierbei wurden 200 Gefangene gemacht, 8
Geschütze, mehrere Sfl. und zahlreiches anderes
Kriegsmaterial erbeutet.
1. Pz.Div. anscheinend weiterhin in Gegend Mechili.
Horchaufklärung stellte Zuführung einer Brigade
der 1. südafrik. Div. und der 150. Brig. (bisher
Marsa Matruk) in den Raum westlich Tobruk fest.
2. Fliegerführer hat Masse seiner Verbände
nach Bengasi, eine Nahkampfgruppe nach Maraua verlegt.
3. Für 3.2. früh ist Inbesitznahme der anscheinend
nur noch von Nachtruppen gehaltenen Oase Gialo durch
schwache deutsche Kräfte vorgesehen.
4. Februar 1942
Kriegstagebuch des OKH
Von: Panzerarmee Afrika Ia 3.2.42 An: Ital. Oberkdo.
d. Wehrmacht in Nordafrika
Nachstehend wird die in der heutigen Besprechung mit
Exzellenz Gambara von Obstlt. i. G. Westphal zum Ausdruck
gebrachte Auffassung wie folgt bestätigt: Der Feind
hat die Cyrenaika bis zum 3. 2. 42 nachmittags fast
vollständig räumen müssen. Aus dieser
Lage ergeben sich folgende Möglichkeiten für
die weitere Kampfführung in der allernächsten
Zeit:
1. "Große Lösung": Feste Inbesitznahme
der gesamten Cyrenaika. Hierzu erforderlich
a) Einsatz der Inf.Divisionen in einer etwa in allgemeiner
Linie Tengeder-Segnali-Ain el Gazala verlaufenden Stellung.
b) Bereitstellung der mot. Korps zu beweglichem Einsatz
hinter dem Südflügel dieser Stellung, etwa
im Raum der südlichen Ost=Cyrenaika.
2. "Kleine Lösung": Sicherung des Hafens
Bengasi durch eine Stellung beiderseits Maraua mit Sicherungen
am Südrand des Dschebel. Bei dieser Lösung
wäre erforderlich.
a) eine Inf.Div. als Festungsbesatzung in den Raum von
Bengasi zu verlegen. b) die Masse der Inf.Divisionen
in den Raum von Agedabia vorzuführen.
c) die mot. Korps im Raum zwischen Agedabia und Bengasi
zu beweglichem Einsatz bereitzustellen.
Das Oberkommando der Panzerarmee gibt aus naheliegenden
Gründen der ersten "großen" Lösung
den Vorzug. Diese Lösung ist auch für die
Führung des Luftkrieges von besonderem Vorteil.
Das Oberkommando der Panzerarmee bittet daher, beim
Comando Supremo die Freigabe des Vorführens aller
Infanterie-Divisionen in die unter 1. a) genannte Linie
erwirken zu wollen.
Für das Armeeoberkommando Der Chef des Generalstabes
I. V. .
gez. Westphal
Tagesmeldung:
1. Feind wich am 3. 2. mit 4. ind. Div. unter dem Schutz
von Nachhuten bei Gasr el Carmusa, Martuba und Umm er
Rzem über Derna und südlich nach Tmimi aus.
Luftaufklärung stellte fest, daß 1. Pz.Div.
sich mit Teilen von Mechili etwa 40 km nach Osten abgesetzt
hat. - Im Dreieck Tobruk-Ain el Gazala-B. Hacheim ist
anscheinend britische Abwehrfront im Entstehen. Hierzu
verfügbar: Stark angeschlagene 1. Pz.Div. und 4.
ind. Div., ferner Poln. Brigade, eine Brigade der 1.
südafrikan. Div., 150. Brigade, 1. lei. franz.
Brigade, 22. Pz.Brig. (letztere in Auffrischung) und
7o. Div. mit Resten 32. H.Pz.Brig. - 2. südafrikan.
Div. wird als in Bardia-Sollum- Front gebunden angenommen,
2. Die deutschen Kampfgruppen stießen 3. 2. bis
zur Via Balbia bei Martuba durch und setzten Verfolgung
bis in Gegend südlich Umm er Rzem fort.
3. Von den nach Gialo entsandten Kräften liegt
noch keine Meldung vor.
4. Absicht für 4. 2. 42: Fortsetzung der Verfolgung
Richtung Ain el Gazala.
5. Einsatzbereite Panzer:
a) Deutsch: 27-II, 65-III, 10-IV, 4 große Pz.
Befehlswagen.
b) Ital.: 80
5. Februar 1942
Kriegstagebuch des OKH
1. Feindliche Aufklärungskräfte bei und südlich
Ain el Gazala sicherten Zurückgehen 4. ind. Div.
in den Raum um Acroma. 1. Pz. Division setzte sich,
beiderseits des Trigh el Abd zurückgehend, bis
in Gegend B. el Harmat ab.
Gegner scheint unter dem Schutze eines Sicherungsschleiers
in Linie Mteifel el Chebir-Ain el Gazala eine Abwehrfront
westlich Tobruk zwischen B. Hacheim-Acroma und nördlich
zu bilden.
2- Die deutschen Kampfgruppen gewannen in der Verfolgung
des Feindes am 4.2. die Gegend westlich Ain el Gazala.
Derna wurde am Abend des 3.2., Tmimi am 4.2. genommen.
Im Januar 1942 wurden vernichtet bzw. erbeutet:
377 PzKampf- und -Spähwagen sowie gepanzerte Fahrzeuge,
192 Geschütze,
1220 Kfz. (Masse zerstört),
50 Flugzeuge (durch Heeresverbände abgeschossen
bzw. zerstört),
3300 Gefangene wurden eingebracht.
Die Vernichtungserfolge der Luftwaffe sind in den vorstehend
genannten Zahlen nicht enthalten.
3. Absicht für 5. 2, und folgende Tage: Halten
des gewonnenen Raumes durch schwächere deutsche
Kräfte. Einsatz italienischer Inf.Div.en in der
Cyrenaika ist nicht möglich, da das Comando Supremo
bisher lediglich das Vorführen von 2 Inf.Div.en
in den Raum von Agedabia genehmigt hat.
6. Februar 1942
Kriegstagebuch des OKH
Armee=Befehl für die weitere Kampfführung:
05.02.42
1. Der Feind wurde aus der Cyrenaika nach Osten zurückgeworfen
und ist unter starken Verlusten über Mechili-Derna
fluchtartig in den Raum westlich Tobruk zurückgegangen.
- Er beabsichtigt anscheinend, sich im Raum B. Hacheim-Acroma
-Tobruk zur Abwehr einzurichten. Aufklärungskräfte
sichern in Linie Mteifel el Chebir-Ain el Gazala...
z. Panzerarmee Afrika sperrt mit Teilkräften den
Südostrand der Cyrenaika und sichert den Raum ostwärts,
Agedabia-Bengasi. Die Armee hält sich mit den mot.
Korps im Raum um Barce bzw. südlich Bengasi bereit,
ein etwaiges erneutes Vorgehen des Feindes durch Gegenangriff
abzuwehren. Schwache Teile sichern die Oase Gialo...
Tagesmeldung:
1. Feind und eigene Lage unverändert.
2. Entsprechend den vom Comando Supremo am 1. 2. erlassenen
Anweisungen für die weitere Kampfführung wurde
angeordnet:
a) Sperrung des Ostrandes der Cyrenaika durch Einsatz
je 1 verst. Rgt.s des mot. Korps bzw. des DAK mit Masse
bei Mechili bzw. Tmimi.
b) Sicherung des Raumes um Maraua durch 90.lei.Div.
c) Einsatz des XXI. A.K. mit zwei Divisionen ("Trento",
"Sabrata") in allgemeiner Linie Chescem el
Chebsc-Saunnu-Antelat-Sceleidima und einer weiteren
Division ("Pavia") zur Sicherung des Raumes
von Bengasi (einschließlich der Dschebelränder
nördlich Sceleidima),
d) Versammlung des DAK im Raum um Barce und des mot.Korps
im Raum Soluch-Bengasi Süd--Ghemines.
e) Belassung des X. A.K. in der Marada Marsa=el=Brega=Stellung.
Das Vorführen der Div. "Trento" und "Pavia'
sowie der 90. lei.Div. in ihre neuen Räume hat
begonnen
7. Februar 1942
Kriegstagebuch des OKH
1. Tag verlief ruhig.
2. Oase Gialo wurde 4. 2. durch schwächere deutsche
Kräfte besetzt.
3. In der Nacht 5./6.2. stärkere feindliche Luftangriffe
auf Bengasi und Tripolis. In Tripolis wurden durch Treffer
in Heeres=Kraftfahrzeugpark zahlreiche Kfz. beschädigt.
8. - 28. Februar 1942
Aus der Divisiongeschichte der 21. Pz.Division
Bis zum 9.2. lagen die Divisionen des DAK im Raum Bir
el Melezz, dann wurde der Vormarsch fortgesetzt. Die
21.Pz.Div. fuhr in mehreren Kolonnen über Charruba
zur Via Balbia. In zügiger Fahrt über Maraua,
Aquaviva wurde Martuba erreicht und beiderseits der
Straße Sicherungen ausgestellt. Am folgenden Tag
marschierte die Division bis in den Raum Umm er Rzem
und bezog 3 km ostwärts des Ortes Rasträume,
wo sie bis zum Monatsende blieb .
In mehreren Transporten traf Ersatz ein, überwiegend
junge und unzureichend ausgebildete Soldaten. Die ihnen
fehlende Waffen- und Gefechtsausbildung wurde intensiv
nachgeholt. Über die Division ging ein Ordenssegen
nieder, Auszeichnungen für die Winterschlacht und
den Überraschungsangriff im Januar mit Sturmabzeichen
für die Teilnahme an drei Sturmangriffen. Erstmalig
erhielten Soldaten italienische Orden, Tapferkeitsmedaillen
und Kriegskreuze. Wer ein Jahr in Nordafrika war, bekam
die vom italienischen Oberkommando gestiftete Afrikamedaille,
eine Bronzemedaille an grün-weiß-rot-weiß-schwarzem
Band. Sie sah recht dekorativ aus, musste sich aber
bald Bezeichnungen wie "Ölsardinenorden"
oder "AM-Medaille", eine Anspielung auf die
Hauptnahrungsmittel, gefallen lassen .I Generalmajor
Böttcher, der Kommandeur der 2i.Pz.Div. verabschiedete
sich am 18.2.. Sein Nachfolger wurde Oberst v. Bismarck.
Im Westfeldzug war er Kommandeur eines Kavallerie-Schützenregiments
gewesen.
Ende Februar erhielt die 21.Pz.Div. den Auftrag, die Schwesterdivision
in der Tmimi-Stellung abzulösen. In der Nacht vom
27. zum 28.2. bezog sie die Stützpunkte. Je nach
Größe und Geländesituation war jeder Stützpunkt
mit einer gemischten Kompanie des II/Schtz.Rgt.104 und
des MG.Btl.8 besetzt. Zur Verstärkung erhielten sie
Züge der Pz Jg.Abt.39, Geschütze des Art.Rgt.i55
und der 8,8cm Flak. Zwei Batterien des Art.Rgt.155 wurden
zur Überwachung des gesamten Abschnitts eingesetzt.
Das Pz.Rgt.5 bezog als Eingreifreserve Stellungen im rückwärtigen
Divisionsraum. |