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Januar
1. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Feind an der Agedabia Front setzte sich mit Masse im Raum Saunnu-Antelat ab. Polnische Brig. wurde dagegen in Raum Beda Fromm und südlich näher an die Agedabia-Stellung herangeführt. Luftaufklärung stellte Zuführung von Verstärkungen über Gazala auf Mechili fest.
2. Panzergruppe trieb 31.12. verstärkte bewaffnete Aufklärung vor Agedabia-Front Richtung Saunnu-Antelat vor. Luftwaffe griff zurückgehenden Feind mit großem Erfolg an. Sie vernichtete außerdem einen südlich Agheila nach Westen vorstoßenden mit Artillerie ausgestatteten Spähtrupp.
3. Nach dreistündiger stärkster Artillerievorbereitung griff der Feind unterstützt durch Luft- und Seestreitkräfte (5 Kreuzer, 2 Torpedoboote) 31.12. morgens mit Panzern Festung Bardia an. Ihm gelang breiter Einbruch in die Südfront des Festungsbereiches. Eigene Luftunterstützung war aus Wettergründen leider nicht möglich. Da Gegenangriff bisher noch keinen Erfolg hatte, muss auf Grund der geringen Abwehrkraft der allein auf sich gestellten Festung mit ihrem baldigen Fall gerechnet werden.
4. Absicht für den 01.01.1942 Fortsetzung der bewaffneten Aufklärung vor der Agedabia-Stellung Richtung Saunnu-Antelat unter Einsatz des italienischen mot. Korps und einer deutschen Kampfgruppe.
5. In der Zeit vom 21.-31.12.1941 wurden 130 Panzerkampfwagen und 40 Panzer-Spähwagen vernichtet. In dem gleichen Zeitraum wurden 17 Flugzeuge abgeschossen. Damit sind in der Zeit vom 19.11.-21.12.1941 insgesamt abgeschossen bzw. vernichtet worden: 1246 Panzerkampfwagen und Spähwagen sowie 271 Flugzeuge.


2. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Gegner hat sich nicht weiter abgesetzt. Nach Horchaufklärung ist mit Zuführung neuer Kräfte zu rechnen. - Ital. mot. Korps. und deutsche mot. Kampfgruppe gewannen Raum 25 km nordostwärts Agedabia gegen auf Höhen 35 km nordostwärts Agedabia sichernde Feindgruppe. - Vor Agedabia-Front und in deren Südflanke beiderseitige Aufklärungstätigkeit.
2. Die geringen Gefechtsstärken und die unzureichende Bewaffnung der ital. Divisionen sowie die aus der Lage der Feldflugplätze ergebende beschränkte Einsatzmöglichkeit der Luftwaffe zwingen dazu, die Front Zug um Zug in die Marada-El Agheila Stellung zurückzunehmen. Diese Bewegung ist dadurch besonders schwierig, dass sie wegen des sonst schwer gangbaren Geländes auf einer Straße erfolgen muss. Sie soll daher möglichst nicht unter Feinddruck durchgeführt werden. Deshalb wird sie in Nacht 1./2.1.1942 mit der Zurücknahme einer der an der Agedabia-Front eingesetzten Divisionen in den Raum südlich El Agheila eingeleitet.
3. Der Einbruch in die Südfront der Festung Bardia konnte durch Gegenangriff abgeriegelt werden. Die Abwehrfront hielt auch dem am 01.01.1942 bei Tagesanbruch unter starker Artillerie- u. Panzerunterstützung fortgesetzten feindlichen Angriff stand. Hierbei wurden 3 Panzer und 3 Panzerspähwagen abgeschossen sowie über 50 - zum Teil polnische - Gefangene eingebracht. Im Verlauf der rollenden starken Luftangriffe wurde deutsches Lazarett getroffen. Eigene Luftunterstützung konnte aus Wettergründen auch am 01.01.1942 nicht erfolgen. Am 02.01.1942 ist mit noch stärkerem Angriff zu rechnen, da der Feind neue Kräfte durch die Einbruchstelle nachgezogen hat.


3. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Feind nahm mit Aufklärungskräften und kleineren gemischten Kampfgruppen verstärkte Fühlung. Seine Kräftegruppierung blieb im großen unverändert. Ital. mot. Korps und deutsche mot. Kampfgruppe wiesen durch Pz. Spähwagen und Artillerie unterstützte Infanterieangriffe gegen Höhen 25 km nordostwärts Agedabia ab. - DAK zersprengte gegen seine Front und Flanke vorgehende stärkere feindliche Panzerspähtrupps mit Artillerie. Vor Agedabia-Front beiderseitige Aufklärungstätigkeit.
2. Erneuter überlegener, mit starker Artillerie- und Panzerunterstützung geführter feindlicher Angriff gegen Festung Bardia durchbrach in der Nacht 1./2.01.1942 die Mitte der südlichen Abwehrfront. Dabei fielen letzte geringe Munitions- und Verpflegungsbestände in Feindeshand. Da weiterer Widerstand unnötige Aufopferung deutscher und italienischer Soldaten bedeutet hätte, entsandte der Kommandeur des Abschnittes Bardia, Generalmajor Schmitt, wie gemeldet, Parlamentär zwecks Übergabe. Nach H.-Meldungen setzte der Feind bedingungslose Kapitulation durch. Durch den heldenhaften Widerstand der ganz auf sich allein gestellten Besatzung von Bardia sind bis jetzt starke feindliche Erd- und Luftstreitkräfte gebunden worden. Mit Abschnitt Halfaya seit 02.01. früh keine Funkverbindung. Nach H.-Meldung ist dort der Kampf im Gange. Dortige Verpflegungsbestände reichen bis zum 10.01.1942. Zuführung von Nachschub auf See- und Luftweg nach Einnahme der Festung Bardia besonders schwierig. Daher ist mit längerem Durchhalten diese Abschnittes nicht zu rechnen.
3. Absicht für den 03.01.1942: Zurücknahme einer weiteren ital. Div. aus der Agedabia in die Marada-El Agheila-Stellung.


4. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. An der Agedabia-Front beiderseitige stärkere Aufklärungstätigkeit. - Feind führte 22. Garde Brigade im Raum südlich und westlich Saunnu vor. Poln. Brigade und Teile 7. Schtz. Brigade stehen im Raum südwestlich Antelat und nördlich Agedabia. 04.01. wird Versuch stärkerer Aufklärungskräfte, aus dem Raum Haseiat-Giof el Matar gegen Via Valbia südlich Agedabia vorzustoßen, erwartet.
2. Mit Halfaya-Front Funkverbindung wieder hergestellt. Auf ihren Stützpunkten lag am 02.01. starkes feindliches Artilleriefeuer. Drei eigene Flugzeuge griffen Obersollum an. Ein feindliches Flugzeug wurde durch Flak abgeschossen.
3. Absicht für 04.01.1942: Zurücknahme der letzten beiden ital. Inf. Div. aus der Agedabia-Front in die Marada - El Agheila Stellung unter Sicherung durch das inzwischen in Agedabia eingerückte ital. mot. Korps und Masse 90. lei. Div.
4. Versorgungslage: a) Betriebsstoff: Bei der Truppe 2 V.S., in Tripolis bzw. im Vorrollen weitere 6 V.S. b) Munition: Bei der Truppe ein Drittel Ausstattung, schwere Artillerie eine Ausstattung. In Tripolis bzw. im Vorrollen voraussichtlich bis Ende Januar ausreichende Munitionsmengen, ausgenommen die gesondert gemeldete Mangelmunition, deren baldiger Nachschub dringend erforderlich ist. c) Verpflegung bis 25.01.1942 vorhanden.


5. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Feindliche Kräfte im Raum Giof el Matar - Haseiat wurden wirksam durch Luftwaffe bekämpft. Gegner ging daher nur mit Teilen über Haseiat nach Westen vor. Im übrigen fühlte Feind mit stärkeren Kräften gegen Agedabia-Front vor. Flugplatz Agedabia musste infolge starken Artl.-Störungsfeuers geräumt werden. Feindlicher Angriff gegen Agedabia-Front am 05.01. ist möglich
2. Auf den Stützpunkten der Halfaya Front lag auch am 04.01 heftiges feindliches Artilleriefeuer.
3. Rückführung der ital. Inf. Div. in die Marada-El Agheila-Stellung wurde planmäßig beendet.
4. Absicht für 05.01.1942 und folgende Tage: a) Ab 05.01. abends abschnittsweise Zurücknahme von ital. mot. Korps, 90. lei. Afrika-Div. und DAK in die Marada-El Aghaila-Stellung unter nachhaltiger Sperrung des Raumes um Agedabia, der Via Balbia usw. b) Einrichten zur Verteidigung in der Marada-El Agheila-Stellung in folgender Gliederung: Abschnitt Alem Mgaad: Ital. mot. Korps, gleichzeitig für beweglichen Einsatz vorgesehen. Abschnitt Maaten Giofer: Ital. X.A.K. (Div.) Abschnitt B. es Suera: Ital. XXI A.K. (3 Div., davon Sabrata neu untergestellt). z.V. der Panzergruppe: DAK im Raum südlich el Agheila und 90. lei. Afrikadivision im Raum westlich El Agheila.


6. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Feind ging am 05.01. mit stärkeren Teilen in Richtung West und Südwest nicht weiter vor. - An Agedabia-Front feindliche Aufklärungstätigkeit mit Artl.-Störungsfeuer.
2. An der Halfaya Font am 04.01. außer starkem zusammengefassten Artl.-Feuer rollende Luftangriffe auf Stützpunkte Halfaya und Cirene.
3. Mit der abschnittweisen Zurücknahme der mot. Verbände in die Marada-El Agheila-Stellung wurde am 05.01 abends ohne Feindruck begonnen. Im Raum um Agedabia wurden nachhaltige Sperrungen durchgeführt.
4. 55. Schiffsstaffel mit Munition, Betriebsstoff, Verpflegung sowie 54 Ersatzpanzern und 19 Spähwagen und einer großen Anzahl an Panzerabwehrgeschützen 05.01. in Tripolis eingelaufen.


7. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Feindlage im großen unverändert. Bei Agedabia wegen starken Sandsturmes keine Feindberührung. - Die bei Bardia eingesetzten feindlichen Kräfte wurden nach Horchmeldung anscheinend zum Angriff gegen Halfaya Front neu gruppiert.
2. Die Zurücknahme der mot. Korps und 90. lei. Div. in den zunächst vorgesehenen Raum südwestlich Agedabia wurde in Nacht 5./6.01. planmäßig durchgeführt. Das Herauslösen aus der Agedabia-Front vom Gegner anscheinend nicht bemerkt.
3. Von der Halfaya-Front liegen trotz wiederholter Funkanfragen keine neuen Meldungen vor.
4. Vom Sonderverband 288 (Gesamtstärke 2400 Mann) wurden bisher 360 Mann, von Fallschirm-Lehrtruppe XI.Fliegerkorps (Gesamtstärke 1700 Mann) 700 Mann auf dem Luftwege nach Bengasi bzw. Tripolis überführt. Alle Kfz. dieser beiden Verbände sind noch in Europa.
5. Zuführung von Betriebsstoff aus Tunis angelaufen. Er ist wegen zu geringer Oktanzahl für Panzer nicht verwendbar.


8. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Feind trat in den Vormittagsstunden des 07.01 Vormarsch in Richtung auf die geräumte Agedabia-Stellung an. - Horchaufklärung stellt Heranführung neuer Verstärkungen von der Bardia-Front fest.
2. Nachhut wird in Nacht 07./08.01. aus bisherigen Stellungen hart südwestlich Agedabia auf neue Stellungen 25 km südwestlich Agedabia zurückgenommen. - DAK und mot. Korps verbleiben 08.01. im bisherigen Raum unter verstärkter Aufklärung nach Osten und Nordosten. Ausbau der Abschnitte Maaten Giofer und B. es Suera durch X. und XXI. AK wird fortgesetzt.
3. Auf den Stützpunkten der Halfayafront lag auch am 05. und 06.01. starkes zusammengefasstes Artilleriefeuer. Besonders auf Stützpunkt Halfaya erfolgten rollende feindliche Luftangriffe.
4. 07.01. früh feindlicher Luftangriff auf den Hafen Tripolis. Kein Schaden.


9. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Feind fühlte, durch Verminungen stark aufgehalten, nur mit Aufklärungskräften gegen Nachhutstellungen 25 km südwestlich Agedabia vor. Nach Horchaufklärung wird der Gegner am 09.01. mit Teilen in Uadi el Faregh auf Mn. Bettafal vorgehen. Horchaufklärung stellte ferner Heranführung von Stab 1. Pz.Div. mit 2. Pz.Brigade und 1.Schtz.Brigade nach Gegend Msus fest.
2. Zurücknahme der Nachhut auf Stellungen 25 km südwestlich Agedabia wurde in Nacht 07./08.01. planmäßig durchgeführt.
3. An der Halfaya Front starkes feindliches Artilleriefeuer. Letzte eigene Brunnen hierdurch zerstört. Zuführung von ausreichenden Trinkwassermengen wahrscheinlich nicht möglich.


10. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Feindvorgehen durch zahlreiche Verminungen weiterhin verzögert. Rege feindliche Aufklärungstätigkeit vor Maaten Giofer - B. es Suera - Abschnitt. Luftaufklärung stellte im Raum Msus und Antelat größere Kfz. Ansammlungen fest.
2. Absicht für 10.01.: a) In der Nacht 09/10.01. Zurücknahme DAK und ital. mot. Korps zunächst in den Raum ostwärts und südostwärts El Agheila. b) Verzögerung feindlichen Vorgehens aus Richtung Agedabia durch ein verstärktes Rgt. 90 lei. Div. aus Stellungen nordostwärts Marsa el Brega.
3. Führungsabteilung der Panzergruppe wurde 09.01. in Gegend 10 km westlich El Agheila verlegt.


11. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Feindlage unverändert. Luftaufklärung stellte Heranführen von Verstärkungen aus Gegend Msus in den Raum Giof el Matar - el Haseiat - Antelat fest. Vor der Front Abschnitte Maaten Giofer und B. es Suera rege feindliche Ausklärungstätigkeit.
2. Zurücknahme DAK und italienisches mot. Korps in den Raum ostwärts und südostwärts El Agheila wurde in Nacht 09./10.01. planmäßig durchgeführt. Die etwa 12 km ostwärts Marsa el Brega stehende deutsche Nachhut hatte 10.01. keine Feindberührung. Vor der Front der Stellungen wurden Verminungen fortgesetzt.
3. An der Halfaya-Front beiderseitige Spähtrupptätigkeit. Feindliche leichte Seestreitkräfte belegen Stützpunkte Halfaya mit Störungsfeuer.


12. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Feind fühlte am 11.01. mit verstärkter Aufklärung gegen unsere Front vor. Schwerpunkt der bewaffneten Aufklärung beiderseits Uadi el Faregh. Für 12.01. ist mit weiterer Verstärkung dieser bewaffneten Aufklärung zu rechnen. Feindliche Kräftegliederung blieb im großen unverändert.
2. Halfaya Front: Am 10.01. wurden bei Cirene einige englische Gefangene gemacht. Feindtätigkeit war an diesem Tage wegen schlechter Witterung beschränkt. Seit Tagesanbruch des 11.01. starker feindlicher Angriff gegen Stützpunkt Niedersollum im Gange.

Feindlagebeurteilung & Funkentschlüsselung der Engländer

Der C-in-C Middle East meldet in seiner Lagebeurteilung, dass die Streitkräfte der Achsenmächte >>sehr desorganisiert seien und es ihnen sowohl an erfahrenen Offizieren als auch an Material fehle. Sie scheinen in Wirklichkeit nicht so stark zu sein, wie ihre Gesamtstärke vermuten lasse.<< General Auchinleck fügte dem hinzu: >>Ich bin überzeugt, dass der Gegner mehr unter Druck steht als wir vermuten.<< Als Bestätigung zitiert der C-in-C >>recht ausführliche und interessante Aufzeichnungen der täglichen Gespräche zwischen den gefangenen Generälen v. Ravenstein und A. Schmitt<<.


13. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Feind setzte am 12.01. verstärkte Aufklärungstätigkeit vor ganzer Front fort. Masse 7. Schtz.Brig. und 22. Garde Brig. mit etwa 2 Pz.Kompanien erreichte mit Anfängen Linie 10 km westlich Mn. Bettafal - 20 km ostwärts Marsa el Brega. Das Vorgehen des Gegners wurde durch Luftwaffe und Artilleriefeuer wirksam bekämpft und verzögert. Am 13.01. ist Fortsetzung des Feindvorgehens zu erwarten. Es ist möglich, dass der Gegner nördlich des Uadi el Faregh Richtung Westen angreifen wird.
2. Halfaya Front: Dem Feind gelang es nach wiederholten Angriffen, sich in den Besitz einiger Widerstandsnester von Niedersollum zu setzen. An allen anderen Stellen des Abschnittes Halfaya wurde der Feindangriff abgeschlagen.
3. Absicht für den 13.01. a) Zurücknahme der ostwärts Marsa el Brega stehenden deutschen Nachhut in Nacht 12./13.01. als bewegliche Reserve hinter den Nordteil der Front. b) Bereitstellung des DAK für etwaigen Gegenangriff im Raum etwa 35 km südwestlich Marsa el Brega.

Feindlagebeurteilung & Funkentschlüsselung der Engländer

Das Joint Intelligence Committee (JIC) informiert über die neueste derzeitig geschätze Stärke der Rommel Verbände: Es wird angenommen, dass entgegen vorausgegangener Schätzungen folgendes zutreffend wäre: eine höhere Anfangszahl von 108.000 Mann, dagegen eine niedrigere Schätzung von 11.000 Gefallenen, Gesamtverluste 49.000. Nach dieser Rechnung soll Rommel im ganzen noch über 59.000 Mann verfügen. Bereits 24 Stunden später moniert der C-in-C die Meldung als >>viel zu niedrig<<.


14. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Im Laufe des 13.01. schloss Feind in südwestlicher Richtung auf. Schwerpunkt der Kräftegruppierung ist Richtung B. es Suera und südlich zu erwarten. Südlich Uadi el Fareh bisher nur Aufklärungseinheiten festgestellt. Ab 14.01. mittags ist feindlicher Angriff gegen Front zwischen Uadi el Faregh und Küste möglich.
2. Halfaya Front: Feind setzte am 13.01., unterstützt von Luftwaffe und Seestreitkräften, dabei ein Schlachtschiff, seine heftigen Angriffe gegen Niedersollum fort. Nach hartem Kampf ging Niedersollum bis auf eine wenige Stützpunkte verloren. An der übrigen Halfaya-Front Artillerietätigkeit.
3. Zurücknahme der ostwärts Marsa el Brega stehenden deutschen Nachhut hinter Nordteil der Front wurde in den ersten Morgenstunden des 13.01. planmäßig durchgeführt. DAK beendete 13.01. vormittags Bereitstellung zum etwaigen Gegenangriff im Raum nördlich und nordostwärts Maaten Belcleibat. An der Front nur beiderseitige Aufklärungs- und Artillerietätigkeit. Ausbau der Stützpunkte und Verminung wurden fortgesetzt.

Feindlagebeurteilung & Funkentschlüsselung der Engländer

B.P. entziffert einen Funkspruch der ital. Marine, in dem gefragt wird, ob im Hafen von Tripolis die Ausladung von 25 -t Panzern möglich sei.

Tagesbericht verschiedener Quellen

Rommel informiert den Stab der Panzergruppe Afrika über seine Absicht, einen starken Gegenstoß mit begrenzten Zielen zu unternehmen. >>Ich muss angreifen, ehe es die Briten tun.<< Rommel, von bösen Vorahnungen geplagt, weiht vorsichtshalber weder das OKW noch das Comando Supremo in seine Pläne ein. Er geht sogar noch einen Schritt weiter: Er läßt nicht, wie üblich, den Angriffsbefehl für die ihm unterstellten Verbände per Funk übermitteln, sondern an Anschlagtafeln in allen Rasthäusern entlang der Via Balbia bis zur Front anheften.


15. Januar 1942
Tagesbericht verschiedener Quellen


1. Feind schloss nördlich Uadi el Faregh weiter nach Südwesten auf. Außer reger Gefechtsaufklärung nur geringe Artillerietätigkeit. Südlich des Uadi el Faregh auf Mn. Burruei vorgehende feindliche Aufklärungsabteilung wurde durch wiederholte Luftangriffe zum Halten gebracht.
2. Halfaya Front: Starkes Artilleriefeuer und wiederholte Luftangriffe mit Schwerpunkt gegen Halfaya. Wasserversorgung durch Angriff gegen eigene Brunnen sehr erschwert. 12. und 13.01. wurden durch Artilleriebeschuss 9 eigene Geschütze zerstört.
3. Deutscher Sperrverband (etwa 3 Kompanien) wurde nach Marada verlegt.

Feindlagebeurteilung & Funkentschlüsselung der Engländer

Der C-in-C stellt in seiner Feindlage-Einschätzung fest, dass es kaum wahrscheinlich sei, dass Rommel in absehbarer Zeit irgendwelche neuen deutschen Truppen zur Verstärkung erhält. Man schließt jedoch nicht aus, dass innerhalb eines Monates eine frische ital. Division mit rund 140 Panzern zur Verfügung stehen könnte. Die Berater von Gen. Auchinleck halten es jedoch für undenkbar, dass die Achsentruppen, die an den schweren Kämpfen im Raum El Agheila teilgenommen haben, jetzt bereits aufgefrischt und verstärkt sowie für einen Gegenangriff ausreichend ausgestattet seien. Ebenfalls bezweifelt man, dass der Geleitzug, der am 05. Januar 1942 durchgekommen ist, Panzerverstärkungen an Bord hatte. Ihre Beurteilung stützt sich auf die ihnen zugänglich gemachten Enigma Informationen, die tatsächlich keine Panzer unter der Ladung dieses Konvois erwähnen.


16. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Feindgruppierung im großen unverändert. Gegner führt anscheinend Bevorratung durch. - An ganzer Front heftige Aufklärungstätigkeit und schwaches Artilleriefeuer auf Stützpunkte. Der südlich des Uadi el Faregh auf Mn. Burruei vorgehenden feindlichen Aufklärungseinheit wurden Verstärkungen zugeführt. Dieser Gegner wurde auch am 15.01. erfolgreich durch die Luftwaffe angegriffen. Weiterer Feind - anscheinend ebenfalls Aufklärungskräfte - ging aus Gegend Gr. es Sahabi Richtung Westen vor.
2. Halfaya: Fortdauer des Artilleriefeuers durch Land- und Seestreitkräfte sowie Anhalten der Luftangriffe. - Trotz größter Anstrengungen konnte die nur noch auf dem Luftweg mögliche Versorgung bisher nicht in ausreichendem Maße durchgeführt werden. - Kommandeur Div. Savona meldet, die unaufhörlichen Angriffe und die mangelhafte Verpflegung hätten bereits zu einem gewissen Kräfteverfall der Truppe geführt. Bei einzelnen Soldaten seien Wahnsinnerscheinungen aufgetreten. Eine genügende Pflege der Verwundeten und Kranken sei nicht mehr möglich.
3. Fallschirm-Lehrtruppe XI. Fliegerkorps übernahm bisherige Stellungen des Ital. mot. Korps. westlich Maaten Belcleibat. Ital. mot. Korps wurde für bewegliche Verwendung im Raum westnordwestlich Maaten Belcleibat bereitgestellt.

Feindlagebeurteilung & Funkentschlüsselung der Engländer

Der Intelligence Summary verzeichnet im Feindlage-Sammelbericht der brit. 8. Armee, dass Rommels Truppen sich weiterhin in ihren Verteidigungslinien befinden und sich weiter eingraben.


17. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Luftaufklärung konnte wegen Sandsturm nicht geflogen werden. Nach Horchaufklärung je eine Kampfgruppe 200. Garde Brigade 10 km nordostwärts B. es Suera, hart nördlich B. el Ginn und 5 km südlich Bu Grada. An ganzer Front nur schwache Spähtrupptätigkeit.
2. An der Halfaya Front ununterbrochene feindl. Art.-und Lufttätigkeit. Stärkere Bewegungen von Panzern und Infanterie vor der gesamten Front lassen auf einen baldigen Angriff schließen. Weitere Brunnen wurden zerstört. O.B.S. teilte mit, dass ab 16.01. Versorgung auf dem Luftweg weiter verstärkt wird.
3. O.Qu. Abteilung des Kdos. der Panzergruppe wird vorübergehend nach Tripolis verlegt.


18. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Feindlage im großen unverändert. An der ganzen Front beiderseitige Aufklärungstätigkeit. Im Nordabschnitt geringes feindliches Artilleriefeuer. Schwerpunkt der feindlichen Aufklärung richtete sich gegen Raum südlich Maaten Giofer, Die in Gegend Mn. Burruei befindlichen Aufklärungskräfte wurden auch heute durch die Luftwaffe angegriffen.
2. Halfaya-Front: Kommandant des Abschnittes Halfaya (Generalleutnant De Georgis) meldet 17.01. früh, da auch in der vergangenen Nacht keine Verpflegung eingetroffen sei, habe er einen Parlamentär zu Übergabeverhandlungen entsenden müssen. Die Feindseligkeiten seien mit Beginn der Verhandlungen eingestellt worden. Alle schweren Waffen seien durch die eigene Truppe unbrauchbar gemacht worden. Seit 13.00 Uhr besteht keine Funkverbindung mehr zum Abschnitt. Englischer Nachrichtendienst meldet, Abschnitt Halfaya habe kapituliert.
3. Einsatzbereite deutsche Panzer-Spähwagen 23. Einsatzbereite deutsche Panzerkampfwagen 84, dabei 24 am 05.01. eingetroffene Ersatzpanzer. In den nächsten Tagen ist mit der Herstellung der Einsatzbereitschaft einer größeren Anzahl von in Werkstätten befindlichen Panzern zu rechnen. Das Eintreffen der Masse der Ersatzpanzer(32) verzögert sich infolge fabrikatorischer Mängel im Laufwerk, die den zeitweisen Ausfall beinahe der Hälfte der Panzer während der Anfahrt von Tripolis zur Folge hatten. Außerdem fehlten der Mehrzahl der Panzer eine Anzahl zur Herstellung der Gefechtsbereitschaft erforderlicher Ausrüstungsgegenstände. Eingehender Bericht folgt nach Abschluss der Untersuchung. Einsatzbereite ital. Panzer M: 89.

Feindlagebeurteilung & Funkentschlüsselung der Engländer

Kriegsgefangene informieren den MI6, dass im Wadi Faregh das vollständige Panzer-Regiment 8 der 15. Panzerdivision Stellung bezogen hat.


19. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Feind vor der Front ist zur Zeit an Kräften unterlegen. Er gräbt sich ein und wartet anscheinend die Heranführung weiterer Kräfte ab, ehe er angreift. Das Eintreffen neuer erheblicher Verstärkungen ist im Laufe der nächsten 8-14 Tage zu erwarten. Trotzdem muss auch mit der Möglichkeit eines baldigen Angriffs gerechnet werden. Einzelheiten über Feindlage siehe Feindnachrichtenblatt, das den Korps usw. im Laufe des 19.01. zugestellt werden wird.
2. Panzergruppe Afrika wird unter Ausnutzung der zur Zeit bestehenden Kräfteüberlegenheit mit starken Teilen zum Gegenangriff antreten, um zunächst den im Raum Uadi el Faregh - Mn. Bettafal - Rta. el Gtafia - Melah en Nogra befindlichen Gegner durch konzentrischen Angriff einzuschließen und zu vernichten.
3. Der Gegenangriff wird im Laufe der nächsten Tage erfolgen. Angriffstag = x=Tag, Angriffzeit = y = Zeit, x=Tag und y=Zeit werden zeitgerecht befohlen...
Tagesmeldung:
Feind schloss vor mittleren Frontabschnitt in südwestlicher Richtung weiter auf. Luftaufklärung stellte im Raum Mn. el Mensci - Rta. el Gtafia - M. Bettafal größere Ansammlungen von Fahrzeugen, darunter Panzer, fest. Vor Südabschnitt weiterhin rege feindliche Aufklärungstätigkeit. Im Abschnitt B er Suera wurden bei Spähtruppunternehmen eine Anzahl von Gefangenen eingebracht. Der Ausbau der Stützpunkte und die Verminung wurden planmäßig fortgesetzt.

Feindlagebeurteilung & Funkentschlüsselung der Engländer

Heute und am 20. Januar vermerkt der Intelligence Summary der brit. 8. Armee keine auffallenden gegnerischen Aktivitäten.


20. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Feind führte stärkere Gefechtsaufklärung südlich B. es Suera und unter Einsatz von Panzerkampfwagen ostwärts B. el Ginn durch. An ganzer Front geringe Artillerietätigkeit. Beiderseits Via Balbia 5 Batterien erkannt. 1 Pz.Div. schloss auch am 19.01. in allgemein südwestlicher Richtung weiter auf. Hierbei nach H.-Aufklärung 1 Schtz. Brigade anscheinend zwischen 7. und 200. Schtz.Brigade in Gegend ostwärts B. es Suera eingeschoben. Luftaufklärung stellte außer den bei Mn. Burruei befindlichen Aufklärungseinheiten keine weiteren Feindkräfte südlich Uadi el Faregh fest.
2. Außer geringer Spähtrupp- und Artillerietätigkeit verlief der Tag vor ganzer Front ruhig.
3. Einsatzbereite Panzer: DAK: 97, ab 20.01. voraussichtlich 111, im Anrollen zur Front weitere 28, italienisches mot. Korps: 89.

Feindlagebeurteilung & Funkentschlüsselung der Engländer

Am Nachmittag erscheint der örtliche Senussi unerwartet bei den vorderen britischen Linien. Er erzählt, die Deutschen würden sich gerade darauf vorbereiten, ihre Truppen weiter nach Westen zurückzunehmen. Ein RAF Aufklärer meldet, dass der Gegner den von Schiffen gebrachten Nachschub in seine Stellungen bei El Agheila schafft. Die britischen Armee-Beobachtungsposten stellen ebenfalls nichts Besonderes fest. B.P. erhält auch keine C-38 bzw. LW-Engima Meldungen über Rommels wahre Absichten.


21. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Voraussichtliche feindliche Kräftegruppierung vor der Marada-Marsa el Brega Stellung am 20.01. abends: Im Raum westlich allgemeiner Linie Mn. Bettafal-B. Bilal- Melah en Nogra Masse 7. Schtz. Brig., 1. Schtz.Brig. und 200. Gardebrigade. Masse 2. Pz.Brigade wahrscheinlich noch im Raum nördlich Mn. Mensci. Schwächere Teile des Gegners, wahrscheinlich Aufklärungskräfte, im Vorgehen südlich des Uadi el Faregh gegen Abschnitt Maaten Giofer. Mit feindlichem Angriff zwischen Uadi el Faregh und Küste muss ab 21.01. gerechnet werden.
2. Panzergruppe Afrika kommt dem feindlichen Angriff unter Ausnutzung der zur Zeit bestehenden Kräfteüberlegenheit zuvor. Sie tritt am 21.01. 8.30 Uhr mit DAK rechts aus dem Raum nördlich Maaten Belcleibat und ital. mot. Korps., Teilen 90. lei. Div. und einer weiteren deutschen Kampfgruppe links aus dem Raum südlich Marsa el Brega zum konzentrischen Angriff gegen den vor der Front stehenden Feind an.
3. In der Zeit vom 01.- 20.01.42 wurden 31 Panzerkampfwagen und Spähwagen vernichtet. In dem gleichen Zeitraum wurden 32 Flugzeuge abgeschossen.

Feindlagebeurteilung & Funkentschlüsselung der Engländer

Im neusten Intelligence Summary der brit. 8. Armee heisst es kommentarlos: Ein RAF Aufklärer habe am Vortag eine große Anzahl von feindlichen Fahrzeugen auf der Küstenstraße beobachtet.


22. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Feind entzog sich fluchtartig dem konzentrischen Angriff und wich zunächst auf Linie Mn. Mensci - Rta. el Gtafia aus. Daher gelang es ihm, Masse der Kräfte trotz geglückter Überraschung der Umklammerung zu entziehen. Luftaufklärung konnte bei den im Raum el Haseiat - Agedabia - Mn. Mensi befindlichen weiteren Feindkräften bis zum Abend des heutigen Tages Rückwärtsbewegungen noch nicht erkennen. Trotzdem muss mit nächtlichem Absetzen des Gegners in nordostwärtiger Richtung gerechnet werden.
2. Die deutschen und italienischen mot. Panzerverbände gewannen in zügigem Vorgehen bis zum Abend des 21.01. allgemeine Linie Mn. el Gefera - B. Bilal - Melah en Nogra. Luftwaffe griff 21.01. früh britische höhere Stäbe sowie ferner in rollendem Einsatz mit gutem Erfolg größere Feindansammlungen im Uadi el Faregh an.
3. Absicht 22.01.42: Fortsetzung des Vorgehens der Panzer- und mot. Verbände nach Nordosten.


23. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Feind stellt sich auch am 22.01. nicht zum Kampf und ging fluchtartig allgemeine Richtung Msus - Soluch zurück. Nach Horchaufklärung soll 4. ind. Div. zum Schutz von Bengasi nach Süden vorgeworfen werden.
2. Verfolgung des Feindes wurde am 22.01. fortgesetzt. Um 10.00 Uhr wurde nach kurzem Kampf Agedabia und gegen 13.00 Uhr Saunnu und Antelat genommen. Luftwaffe griff im rollendem Einsatz zurückgehende Feindkolonnen im Raum südostwärts Agedabia erfolgreich an.
3. Absicht für 31.01.: Überholende Verfolgung zunächst mit Teilen aus Raum Saunnu Richtung Mn. el Gara, während Masse der Panzer- und mot. Verbände sich in Raum nordostwärts Agedabia bereithält, um je nach Lage entweder nach Südosten zur Verfolgung anzutreten oder in allgemeiner Richtung el Abiar - Bengasi vorzugehen. Beginn des kraftverlasteten Nachführens der ital. Inf. Div. in den Raum von Agedabia.
4. Nach bisher vorliegenden Meldungen wurden am 21.01. vernichtet oder erbeutet: 26 Panzerkampfwagen und Spähwagen, 47 Geschütze, über 100 Kfz.
5. Führungsabteilung Panzerarmee Agedabia.


24. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


Weisung des Comando Supremo an Panzerarmee Afrika:
Von: Comando Supremo 23.01.1942
An: Panzerarmee Afrika
Richtlinien des Duce.
Die Kriegsführung in Tripolitanien ist von der Lage im Mittelmeer abhängig. Es ist vorauszusehen, dass sich infolge des Mangels an Nafta der Geleitzugverkehr von Mitte Februar an verlangsamt und vielleicht sogar unterbrochen wird. Es ist sogar vorauszusehen, dass das Wirksamwerden des verstärkten Kampfes gegen Malta den bereits angelaufenen Verkehr von Einzelschiffen auf der westlichen Straße sehr erleichtern wird. Indessen wird es mit diesen Mitteln schwerlich gelingen, den normalen Nachschub für die Kolonie sicher zustellten: es wird ausgeschlossen sein, neue Truppen und Kampfmittel zu überführen. Folgende Möglichkeiten müssen außerdem in Betracht gezogen werden:
a) Landungsunternehmen britischer oder De Gaulle-Truppen an der libyschen oder tunesischen Küste.
b) Vormarsch feindlicher Kräfte durch die libysche Sahara
Deshalb ist es wenigstens zur Überwindung der Transportkrise notwendig, die Kräfte an der Ostfront zusammenzuhalten, um die Wiederauffrischung vollends durchzuführen und sie nicht einem neuen Kräfteverbrauch auszusetzen, da es nicht möglich sein wird, sie ein anderes Mal aufzufrischen. Es ist notwendig, mit dem vorhandenen Kräften und Versorgungsgütern in Voraussicht einer Krisenperiode sparsam umzugehen. Unter Berücksichtigung des oben Gesagten hat der Duce bis auf weiteres befohlen:

1. Unsere Verteidigungsstellung gegen Osten ist die Linie Marsa el Brega - Marada, Marada ist zu verstärken.
2. Die allgemeine Lage im Mittelmeer gestattet es zur Zeit nicht, an eine Vorverlegung unserer Stellungen zu denken.
3. In der unter Ziff. 1 erwähnten Verteidigungsstellung sind es die Infanterieeinheiten, die die Verteidigungskraft sicherstellen; Aufgabe der mot. Verbände ist die bewegliche Kampfführung im Rahmen des unter 4. gegebenen Kampfauftrages.
4. Um unserer Verteidigung den Charakter ausgesprochener Aktivität zu geben und um die Angriffsvorbereitungen des Feindes zu stören, können die beweglichen Kräfte, wenn die Gelegenheit sich bietet, Angriffsoperationen mit begrenztem Ziel durchführen, um den Feind zu schlagen, wenn er sich auf hierzu günstige Entfernung stellt. Bei dieser Aufgabe wird die Luftwaffe in besonderer Weise mitwirken müssen.
5. Die Infanterieeinheiten dürfen nicht aus der Verteidigungsstellung herausgezogen werden, sondern haben hier ihre völlige Auffrischung abzuwarten. Der Duce behält sich vor, diese Richtlinien entsprechend einer veränderten allgemeinen Lage abzuändern.

Im Auftrage des Duce
Der Chef des Wehrmachtgeneralstabes
gez. Ugo Cavallero

Tagesmeldung:
1. Am 23.01. wurde Zurückgehen stärkerer Feindkräfte - Teile 2.Pz.Brig., 1 Schtz.Brigade und 200. Gardebrigade - nach Norden und Nordosten durch Vorlegen der deutsch-italienischen Panzer- und mot. Verbände in allgemeiner Linie Agedabia - südlich Antelat-Saunnu-Mn. el Grara verhindert. Ausbruchsversuche des Gegners wurden unter erheblichen Feindverlusten abgewehrt. Hierbei wurden eine größere Anzahl von Panzern und Spähwagen vernichtet, zahlreiche Kfz erbeutet. Einzelheiten noch nicht bekannt. Ferner wurden allein von Heeresverbänden 11 Flugzeuge abgeschossen bzw. am Boden zerstört.
2. Absicht für 24.01.: Konzentrischer Angriff der Panzer- und mot. Verbände zur Vernichtung der im Raum ost- und südwärts Agedabia befindlichen Feindkräfte unter entsprechender Sicherung nach Norden.

Feindlagebeurteilung & Funkentschlüsselung der Engländer

Selbst an diesem Tag glaubt der C-in-C Middle East noch, dass sich Rommels Operation letzten Endes als üblicher Störangriff entpuppt. Der Oberbefehlshaber der 8. Armee (Major General Ritchie) ist davon überzeugt, dass Rommel seine Leistungsgrenze erreicht habe. Lediglich der Kommandierende General des XIII. Korps, dessen Verbände jetzt im Kampf stehen, drängt darauf, seine Kräfte nach Mechili zurückzunehmen und macht darauf aufmerksam, dass man die Kampfkraft Rommels ernsthaft unterschätzt habe.

Tagesbericht verschiedener Quellen

Am 24.01. erreichte ein weiterer Geleitzug, mit Schlachtschiffen als Sicherung, fast unversehrt Tripolis. B.P. hat zwar im voraus aus einem C-38m-Funkspruch Einzelheiten über die Zusammenstellung und Route erfahren, doch das Wichtigste stand nicht in dem Funkspruch: Auf den Frachtern befanden sich auch 71 Panzer.


25. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Konzentrischer Angriff gegen den im Raum ostnordostwärts Agedabia befindlichen Feind am 24.01. führte zum vollen Erfolg. Es wurden vernichtet bzw. erbeutet: 117 Panzerkampfwagen und Spähwagen, 33 Geschütze und eine große Anzahl von LKW, Rund 1000 Gefangene wurden eingebracht. Somit hat der Feind in den Kämpfen vom 21.01. - 24.01. insgesamt 143 Panzerkampfwagen und Spähwagen sowie 80 Geschütze verloren. Von der Erdtruppe wurden 14 Flugzeuge abgeschossen bzw. zerstört. Die stark angeschlagene 1. Pz.Div. ging in den Raum Msus und südwestlich zurück.
2. Absicht 25.01.: Verstärkte bewaffnete Aufklärung gegen Feind im Raum um Msus.

Feindlagebeurteilung & Funkentschlüsselung der Engländer

Der Kommandeur ordnet den Rückzug des XIII. Korps an. Doch das Hauptquartier der 8. Armee missbilligt diese Entscheidung und versichert ihm zugleich, dass es sich bei dem Vorstoß der Rommel Truppen >>nicht um eine Gegenoffensive handelt<<. Das HQu. beruft sich dabei auf Informationen des Nachrichtendienstes, nach dessen Ansicht Rommel seine Kräfte überansprucht habe. Man instruiert den Kommandeur >>offensivste Maßnahmen zu ergeifen<< und die >>größten Risiken<< auf sich zu nehmen, um Rommels Vorstoß zu stoppen.


26. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Panzerarmee fügte 25.01. der in den Raum Msus und südlich ausgewichenen stark angeschlagenen 1. Pz.Div. durch Nachstoßen mit der Masse des DAK und einer deutsch-ital. Kampfgruppe in heftigem Kampf erneut schwere Verluste zu. Nach bisher vorliegenden Meldungen wurden am 25.01. zerstört oder erbeutet: 96 Panzerkampf- und Spähwagen (darunter einige amerikanische Modelle Baujahr 41), 38 Geschütze, eine größere Anzahl von Kfz, 13 Flugzeuge, erhebliche Munitionsbestände und anderes Kriegsmaterial. - Feind wich fluchtartig nach Norden und Nordosten aus.
2. Einsatzmöglichkeiten der in den Vortagen besonders erfolgreich wirkenden deutsch-ital. Luftwaffe wurden am 25.01. durch Sandsturm stark behindert.
3. Absicht 26.01.: Sicherung des Raumes um Msus durch mot. Verbände und Bergung der Beute.
4. Eigene Verluste während der jetzigen Operation außergewöhnlich gering.

Feindlagebeurteilung & Funkentschlüsselung der Deutschen

Rommel erfährt von seinem Ic-Offizier, dem Feindlage Bearbeiter, dass der Engländer bereits in Erwägung zieht, Bengasi zu evakuieren, und dass unter den britischen Kommandeuren ernste Meinungsverschiedenheiten herrschen. Sie erwarten, dass Rommel nordostwärts vom Msus nach El Mechili vorstoßen wird.


27. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


Armee Befehl für den Angriff am 28.01.1942:
1. Feind: Die am 25.01. bei und südlich Msus geschlagene englische 1. Pz.Div. ist mit ihren Resten anscheinend nach Norden bis zur Linie el Charruba - el Abiar ausgewichen. In dieser Linie stehen Sicherungen der südlich Barce liegenden 5. ind . Brigade (Stärke 2 Btl., 1 Art. Rgt.). Die südlich Bengasi befindliche 7. ind. Brig. (4 Btl., 1 Pz.Abt., 2-3 Art. Rgt., 2 Aufkl. Abt., 2 Pz.Jäger.Abt.) hat in Linie Sceleidima - Soluch - Ghemines bewegliche Kampfgruppen vorgeschoben. Nach Luftaufklärung werden Verstärkungen der Cyrenaika zugeführt. Horchaufklärung meldet am 25.01. erstmalig auftreten 1. lei. franz. Div. in Gegend westlich Derna. In Gegend Mechili nur schwache Feindgruppe festgestellt. Nach einem abgehörtem Funkspruch ist ein feindlicher Vorstoß aus Gegend Bengasi in südostwärtiger Richtung für den Fall weiteren deutschen Vorgehens Richtung Mechili beabsichtigt. Anderseits ist innerhalb britischer Stäbe auf Grund der letzten Niederlage erhebliche Unstimmigkeit über Fortführung der Operationen zu erkennen. Daher ist auch eine Räumung des Gebietes von Bengasi in den nächsten Tagen nicht ausgeschlossen.
2. Panzerarmee Afrika greift am 28.01. mit Tagesanbruch den im Raum und südlich Bengasi stehenden Feind überraschend an und vernichtet ihn. Es ist ferner beabsichtigt, falls durch Handstreich möglich, Bengasi zu nehmen und die gesamten dort befindlichen Vorräte in dem Raum Agedabia zurückzuführen.

Tagesmeldung 26.01.:
1. Die am 25.01. bei und südlich Msus geschlagene englische 1. Pz.Div. ist mit ihren Resten anscheinend nach Norden bis zur Linie el Charruba - el Abiar ausgewichen. Sicherungen der südlich Barce gelegenen 5. ind. Brig. wurden in diese Linie vorgeschoben. Nach Luftaufklärung werden der Cyrenaika Verstärkungen zugeführt. Horchaufklärung stellte am 25.01. erstmalig Auftreten 1. lei. franz. Div. in Gegend westl. Derna fest. Im übrigen Aufklärung durch Sandsturm stark behindert.
2. Tag verlief ruhig. Nach bisherigen Zählungen wurden in den Kämpfen vom 21. bis 25.01.42 erbeutet bzw. vernichtet: 283 Panzerkampf- bzw. Spähwagen sowie sonstige gepanzerte Fahrzeuge, 127 Geschütze, 583 Kfz, 28 Flugzeuge, größere Betriebsstoff- und Verpflegungsbestände sowie Werkstätten, Ersatzteillager und sonstiges Kriegsmaterial. Die Masse der Kfz. wurde im Kampf oder vorher durch den Gegner zerstört. In den vorstehend genannten Zahlen sind die Vernichtungserfolge der Luftwaffe nicht enthalten.

Feindlagebeurteilung & Funkentschlüsselung der Engländer

Da die italienischen Verbündeten nichts vom Rommels Täuchungsplan wissen (Bengasi anzugreifen und einen Scheinangriff der Panzertruppen auf El Mechili fahren), wird in der Meldung des Commando der Regia Aeronautica bekanntgegeben, dass die deutsch-italienischen Kräfte ihre Offensive in Richtung El Mechili fortsetzen werden. Als dem Oberbefehlshaber der 8. Armee der Inhalt des Funkspruchs vom MI6 vorgelegt wird, handelt er sofort und legt die bereits angeschlagene 1. Pz.Div. aus Bengasi heraus nach Mechili, während die 4. ind. Div. den Befehl bekommt, die in Richtung Bengasi marschierenden Achsentruppen zu stoppen. Tatsächlich zieht Rommel aber bei Bengasi drei große Kampfgruppen zusammen und die beiden britischen Verbände können so nur knapp der vollständigen Einkesselung und Vernichtung entgehen.

Da der C-in-C Middle East keine Informationen aus Enigma-Berichten über die Verluste der Achsentruppe bekommt, unterschätzt Kairo die verbleibende Gesamtstärke des Gegners um mehr als 100 Prozent.


28. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Nach Horchaufklärung befindet sich die bisher in Gegend Derna und westlich liegende 11. Brig. ab 26.01. im Raum Maraua - d´Annunzio und südlich. Sonst Feindgruppierung wie am Vortag.
2. Außer geringer beiderseitiger Spähtrupptätigkeit im Raum nördlich und nordwestlich Msus keine Feindberührung. Masse der Truppe versorgt sich und setzte auch am heutigen Tage Bergung der Beute fort.
3. Absicht für 28.01.1942: Verstärkte bewaffnete Aufklärung gegen Feind im Raum um und südlich Bengasi.


29. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Im Zuge der bewaffneten Aufklärung gegen den Raum um und südlich Bengasi trieb eine Kampfgruppe bei Sceleidima haltende Feindkräfte zurück, eine andere Kampfgruppe, aus Msus in nordwestlicher Richtung vorgehend, drang bis in die Gegend 15 km ostwärts Bengasi vor. Bei Soluch und Ghemines noch Feindkräfte festgestellt. Feindlicher Aufklärungsvorstoß aus nordostwärtiger Richtung auf Rastraum DAK nordostwärts Msus wurde abgewiesen.
2. Absicht 29.01.: Fortsetzung der bewaffneten Aufklärung im Raum um Bengasi.


30. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Durch den Vorstoß der Kampfgruppe Marcks auf Bengasi und durch den des ital. mot. Korps über Sceleidima - Soluch auf Ghemines wurden starke Teile der 4. ind. Div. geschlagen und versprengt. Einzelnen Feindgruppen gelang es, nach Nordost und Osten zu entweichen. Nach Luft- und Horchaufklärung besteht der Eindruck, dass die bisher im Raum ostwärts El Charubba angenommenen Reste der 1. Pz.Div. sich auf El Mechili zurückgezogen haben. 11. ind. Brig. befindet sich noch in Gegend ostwärts Barce.
2. Zur Einnahme Bengasi werden folgende Einzelheiten gemeldet: Im Nachtmarsch unter schwierigsten Gelände- und Wetterverhältnissen aus dem Raum um Msus vorgeführte deutsch-ital. Kampfgruppe unter persönlicher Führung des Oberbefehlshabers stieß bis 28.01. abends über Regima - Benina bis zum Nordrand von Bengasi vor. Gleichzeitig wurde Via Balbia nordostwärts Bengasi bei Coefia gesperrt. Feindliche Ausbruchversuche aus Bengasi nach Osten in Nacht 28./29.01. abgewiesen. Am 29. morgens Bengasi genommen. Bisher über 1000 Gefangene. Die riesige, im einzelnen noch nicht zu übersehende Beute besteht in erster Linie aus etwa 500 Kfz., einer großen Anzahl von Geschützen auf Selbstfahrlafetten, sehr großen Ausrüstungs- und Munitionsbeständen sowie erheblichen Verpflegungsvorräten. Die einrückenden Truppen wurden von der ital. und arabischen Bevölkerung begeistert begrüßt. Mot. Korps, vor dem Gegner in der letzten Nacht nach Nordosten auswich, erreichte gegen Abend mit Pz.Div. Ariete Bengasi, während Trieste in Gegend Ghemines und ostwärts sichert. DAK verblieb bis auf zur Sperrung der Höhenstufe in dem Raum nördlich Sceleidima entsandte Teile mit Masse zur Sicherung und weiteren Sichtung der bisherigen Beute im Raum um Msus. Sabrata und 90. lei. Div. besetzten Stellungen beiderseits Antelat bzw. westlich Antelat, während X. und XXI. A.K., dem Wunsch des Duce entsprechend, in der Marada-el Brega Stellung verblieben sind.
3. Eigene Verluste vom 27.-29.01. ganz gering.

Tagesbericht verschiedener Quellen

Rommel wird nach der Einnahme von Bengasi - trotz der Mißachtung der strikten Anweisungen Hitlers - von ihm zum Generaloberst befördert.


31. Januar 1942
Kriegstagebuch des OKH


1. Feind setzte sich anscheinend weiter nach Osten ab.
2. Tag verlief ruhig. In ostwärtiger Richtung angesetzte Aufklärungskräfte besetzten El Abiar.
3. Absicht 31.01.: Gewaltsame Aufklärung Richtung Maraua.
 
 
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