Chronologischer Ablauf
aus dem Kriegstagebuch des OKH:
1.6.42
Feind führte lediglich Aufklärungsvorstöße
gegen Ost- und Nordfront durch und belegte eigene Stützpunkte
mit Artl.-Feuer. Der konzentrisch geführte Angriff
gegen in festungsartig ausgebauten Stellungen eingeschlossene
Feindkräfte führte zum vollen Erfolg. Hierbei
wurden etwa 3000 Gefangene eingebracht, darunter ein
Brig.Gen. In der Zeit vom 31.5, bis 1.6.42 wurden vernichtet
bzw. erbeutet: 101 Panzerkampf- und Spähwagen,
121 Geschütze, 187 Kfz., große Mengen von
Handwaffen und Ausrüstungsgegenständen. Bei
Artl.-Feuerüberfall auf Armeegefechtsstand wurden
der Chef des Stabes und der Ia durch Granatsplitter
verwundet. Nach durch Italiener mitgehörtem Funkspruch
befindet sich General der Panzer-Tr. Cruewell in englischer
Gefangenschaft. Nach Beutebefehl der Pz.Brig. Dürfen
deutsche Soldaten bis zu ihrer Vernehmung nicht essen,
trinken und schlafen. Originalbefehl wird nachgereicht.
2.6.42
Panzerarmee Afrika griff mit 90. lei.Div. Und ital.
Mot.Div. „Trieste“ die im Raum um Bir Hacheim
zum Schutz der feindlichen Südflanke eingesetze
freifran. Brig. an. Bei sehr starkem Sandtreiben dauern
die Kämpfe noch an. DAK. Trieb zur Vortäuschung
von Angriffsunternehmungen an der Ostfront erfolgreiche
bewaffnete Aufklärung vor. Im Verlauf des Nachmittags
griff Gegner mit 4 Pz.Brig.en den Nordflügel des
XX. A.K. Und den Ostflügel des DAK. Nach starker
Artl.-Vorbereitung an. Der Angriff wurde unter Verlusten
für den Feind abgewiesen. Bei anschließendem
Gegenangriff wurden vernichtet bzw. erbeutet: 22 Pz.Kampfwagen,
7 Geschütze, 20 Lkw. Eine große Anzahl von
Gefangenen wurde eingebracht.
3.6.42
Außer starker Aufklärungs- und Artl.-Tätigkeit
fand vor der Front der Panzerarmee keine besondere Kampfhandlung
statt. Auf dem Südflügel umstellte die 90.lei.Div.
Und mot.Div. „Trieste“ von Osten und Süden
die von freifran. Truppen besetzten festungsartig ausgebauten
Stellungen um Bir Hacheim. Entsatzversuche aus ostwärtiger
und südwestlicher Richtung wurden abgewiesen. Bei
dem Kampf um Bir Hacheim verlor der Gegner 170 Gefangene
und 60 Lkw. Die Luftwaffe unterstützte mit besonders
starken Kräften den Angriff gegen Bir Hacheim.
Es muß damit gerechnet werden, daß aus Ägypten
laufend Ersatz-Panzer eintreffen. Bei den am 1.6.42
vernichteten Feindkräften handel es sich um die
150. oder 151. Inf.Brig. Und das 72. Feldartl.Rgt. Der
50. engl. Inf.Div. Sowie um eine Abteilung der 1.Heeres-Pz.Brig.
4.6.42
Feind verhielt sich am 4.6. im großen und ganzen
weiterhin abwartend. Er führte in den Raum westl.
Bir el Gobi Kräfte heran, vermied aber ein Eingreifen
zur Entsetzung der eingeschlossenen freifranz. Brig.
In Bir Hacheim. Die engl. Luftwaffe unterstützte
den Erdkampf durch verstärkten Jagdschutz und Tiefangriffe
gegen die Einschließungsfront. Feind richtete
sich an Nordfront weiter zur Verteidigung ein. 1. Pz.Brig.
Anscheinend aus Ägypten im Anmarsch. Erstmalig
unter AOK 8 aufgetreten. Panzerarmee verengte die Einschließungsfront
der bei Bir Hacheim stehenden Feindkräfte. Die
Luftwaffe führte im rollenden Einsatz wirkungsvolle
Angriffe gegen die Feindstellungen von Bir Hacheim durch.
Im mittleren und nöördlichen Frontabschnitt
außer Aufklärungs- und Artl.Tätigkeit
keine besonderen Kampfhandlungen. Die zur Störung
des eigenen Nachschubs bis in die Gegend Segnali Nord
vorgedrungenen Feindkräfte wurden bis in die Gegend
südl. Bir Hacheim zurückgedrängt.
5.6.42
Feind griff in den Morgenstunden des 5.6. mit 2 Pz.Brig.en
und 2 Schützenbrig.en im mittl. Frontabschnitt
bei Bir el Tamar 18 km südwestl. Tobruk nach starker
Artl.-Vorbereitung an. Der Angriff aus ostw. Richtung
wurde durch einen Vorstoß mehrerer Panzerabteilungen
aus Gegend Eluet el Tamar ( 14 km nördl. Bir el
Tamar ) unterstützt. Panzerarmee wie die von Osten
und Norden vorgetragenen Angriffe unter schweren Verlusten
für den Feind ab. Am Nachmittag trat die Armee
zum Gegenangriff nach Osten an. Die Angriffshandlungen
nehmen einen erfolgreichen Verlauf. Sie werden am 6.6.
fortgesetzt. Im Verlauf der Kämpfe wurden vernichtet:
56 Panzer. 200 Gefangene wurden eingebracht. Der Ring
um Bir Hacheim wurde weiter verengt.
6.6.42
Panzerverbände der 1. engl. Pz.Div. Wurden in
den frühen Morgenstunden des 6.6. aus dem Raum
Bir el Harmat – Bir el Tamar bis 15 km südwestl.
El Adem geworfen. Im Verlauf dieser erfolgreichen Kämpfe
wurden starke Feindkräfte in umfassend geführtem
Angriff in der Gegend nordwestl. Bir el Harmat eingeschlossen
und vernichtet.Der Gegner hatte starke Verluste an Waffen
und Kraftfahrzeugen. Die Beute ist im einzelnen noch
nicht zu übersehen. Die Zahl der am 5. und 6.6.
eingebrachten Gefangenen hat sich auf fast 4000 erhöht.
Sie gehören in der Masse der 201. Garde-Brigade
und 10. indischen Brigade an. Am Abend nahm der Gegner
auf dem Südflügel des mittleren Frontabschnitts
die Gefechtsführung wieder auf. Die an der Einschließungsfront
Bir Hacheim stehenden Kräfte haben sich im Laufe
des 6.6. durch das Vorfeld bis an die Hauptstellung
herangekämpft.
7.6.42
Feind führte in den frühen Morgenstunden
des 7.6. Angriffe gegen Stützpunkt XXI. A.K. Durch,
die unter Verlusten für den Gegner abgewiesen wurden.
Hierbei 165 Gefangene eingebracht. Ferner hatte ein
mit Teilkräften der 1. englischen Panzer-Div. durchgeführter
Angriff im mittl. Frontabschnitt beiderseits Trigh Capuzzo
keinerlei Erfolg. Die feindliche Stellung bei Bir Hacheim
wurde durch Artl. Wirksam bekämpft.
8.6.42
Feind nahm im allgemeinen eine abwartende Haltung ein.
Lediglich bei einem Vorstoß im nördlichen
Frontabschnitt am Nordflügel des X. A.K. gelang
ihm ein örtlicher Einbruch. Die Lage wurde wiederhergestellt.
Die feindliche Luftwaffe war reger als an den Vortagen
und führte mehrere Bomben- und Tiefangriffe auf
die eigenen Truppen im mittleren Frontabschnitt und
bei Bir Hacheim durch. Im mittl. Frontabschnitt wurde
ein feindl. von Panzern unterstützter Aufklärungsvorstoß
abgewiesen. Der Angriff gegen Bir Hacheim, von starken
Verbänden des Fl.Fü. Afrika unterstützt,
gewann weiter an Boden.
9.6.42
Im südlichen Anschnitt der Gazala-Front wurde
ein feindl. Von Panzern unterstützter Vorstoß
abgewiesen. Die zur Störung des eigenen Nachschubs
im Raum südl. und westl. Mteifel el Chebir eingestzten
feindl. Kampfgruppen wurden durch eingene Aufklärungskräfte
nach Süden zurückgeworfen. Dabei verlor der
Gegner eine Anzahl Gefangener. In den harten Kämpfen
um die Festung Bir Hacheim wurden die feindlichen Kräfte
auf engstem Raum zusammengedrängt. Entsetzungsversuche
wurden abgewiesen. Starke Kräfte der Luftwaffe
unterstützten auch am heutigen Tage wirkungsvoll
den eigenen Angriff.
10.6.42
Feind unternahm im Verlauf des 10.6. mehrere von Panzern
unterstützte Angriffe. Dabei hatte der Gegner im
Nordabschnitt in Gegend westl. Gabr el Abidi ( 24 km
südsüdwestl. Ain el Gazala ) und im mittl.
Abschnitt nördl. Bir el Harmat starke Panzerverluste.
Der Gegner führt anscheind zum Entsatz für
Bir Hacheim aus Richtung El Gobi und Gegend südl.
Mteifel el Chebir Kräfte heran. Nach Luftaufklärung
im Raume El Adem-Acroma starke Ansammlungen festgestellt.
Die feindl. Luftwaffe führte eine Anzahl von Tief-
und Bombenangriffen gegen die Einschließungsfront
von Bir Hacheim durch. Bei Abwehr der feindl. Angriffe
im nördl. und mittl. Abschnitt durch Pz.Div. „Ariete“
und 15. Pz.Div. 11 bzw. 13 Panzerwagen ohne eigene Verluste
abgeschossen. Nachdem in den Vorlagen die Kämpfe
um das stark verminte Vorfeld der Festung Bir Hacheimgeführt
wurden gelang am heutigen Tage ein tiefer Einbruch in
das gleichfalls minenverseuchte Hauptkampffeld. Hierbei
wurde eine beherrschende Höhe gegenüber einem
fanatisch kämpfenden Gegner unter stärkstem
Einsatz von Artl. und Luftwaffe gestürmt. Weiterhin
wurde dem Gegner die letzte Möglichkeit zur Versorgung
von außen durch lückenloses Schließen
des Ringes um Bir Hacheim genommen. Die Luftwaffe unterstützte
wiederum durch mehrere Großangriffe unter Einsatz
bis zu 130 Flugzeugeen die Angriffe gegen Bir Hacheim.
11.6.42
Die in der Festung Hacheim eingeschlossenen freifranz.
Kräfte unternehmen in der Nacht vom 10. zum 11.6.
einen Ausbruchsversuch nach Südwesten, der im wesentlichen
abgewiesen wurde. Hierbei und bei anschließendem
Sturm gegen den sich in Strellungen bis zum äußersten
wehrenden Feind erlitt der Gegner schwere blutige Verluste.
An übrigen Frontabschnitten verhielt sich der Feind
bis zum späten Nachmittag ruhig. Die zur Zerstörung
des eigenen Nachschubs in Gegend westl. Mteifel el Chebir
eingesetzten Feindkräfte wurden in Gegend südostw.
Hacheim zurückgenommen. Die feindl. Luftwaffe führte
mehrere Bomben- und Tieffliegerangriffe u.a. auf Armeegefechtsstand
durch. Hierbei einige Verluste an Toten und Verwundeten.
Unter Ausnutzung der Feindlage stießen im Anschluß
an die Einnahme von Festung Hacheim deutsche Verbände
bis zum Abend 12 km südlwestl. El Adem vor. Der
Gegner wich mit Schützenverbänden nach Osten
aus. Er versammelte die Pz.-Verbände nordostw.
Bir el Harmat. Bei den Kämpfen um die Festung Hacheim
wurden über 1000 Gefangene eingebracht. Die blutigen
Verluste des Gegners waren außerordentlich hoch
und dürften die Zahl der Gefangenen erreicht haben.
Ferner verlor die Feindgruppe Hacheim 24 Geschütze
und einige hundert Kraftfahrzeuge.
Meldung des deutsch. Generals bei der ital. Wehrmacht:
13.15 Uhr
Festung Bir Hacheim in den Vormittagsstunden des 11.6.
gegen sich bis zum Schluß zäh verteidigenden
Feind nach hartem Kampf genommen.
12.6.42
Feind versuchte vergeblich, sich den mit Panzerverbänden
von Hacheim in Richtung El Adem durchgeführten
deutsch-italienischen Umfassungsbewegungen durch einen
Durchbruchsversuch nach Osten und Südosten zu entziehen.
Nach starken Panzerverlusten setzte er sich in aller
Eile nach Norden ab. Ein feindl. mit starker Panzerunterstützung
vorgetragener Angriff wurde unter Verlusten für
den Gegner abgeschlagen. Eine Stoßgruppe der 21
Pz.Div. schoß 54 Feindpanzer ab. 400 Gefangene
wurden eingebracht. Die Kämpfe zogen sich bis zum
Einbruch der Dunkelheit hin. Weitere Erfolgsmeldung
wird nachgereicht. Über engl.-amerikanischen Truppen
und Materialersatz in Nordafrika liegen unter dem 4.6.42
aus Ägypten u.a. folgende Meldung vor: Nilbasen
so gut wie keine Armeereserven. Was vorhanden war, wurde
schon Ende Mai in den Raum von Marsa Matruk und weiter
gebracht. Ersatz und Auffüllung 1. durch in den
ersten Junitagen angelangte Schiffstransporte mit zahlreichen
Waffen und Geräten und 2. durch in Gang befindliche
Abzüge von 9. und 10. Armee aus Syrien bzw. Irak.
13.6.42
Die feindl. Pz.-Verbände wurde im Laufe des 13.6.
im Raume nördl. des Pisten-Kreuzes, Acroma, Bir
Hacheim und Capuzzo durch umfasssenden Angriff der 15.
und 21.Pz.Div. aus Osten und Westen sowie durch frontalen
Angriff des ital. XX. Mot.Korps mit Pz.Div. „Ariete“
und mot.Div. „Trieste“ nach Norden zusammengedrängt.
Der Gegner versuchte in den Nachmittagsstunden, sich
der Umfassung durch Gegenangriff gegen die vom Westen
vorstoßende 21.Pz.Div. In Gegend nordwestl. des
Pisten-Kreuzes zu entziehen. Trotz starken Sandtreibens
wurden mehrere Battr.-Stellungen bei Bir Trigel nordwestl.
Des Pisten-Kreuzes überrollt. Bei diesen Kämpfen
wurden 14. Pz.Kampfwagen vernichtet, 13 Geschütze
erbeutet und 300 Gefangene gemacht. Der gegenangriff
der stark angeschlagenen 2., 4. und 22. Pz.Brig.en sowie
der aus der Gazala-Stellung neu herangeführten
32. Heeres Pz.Brig. War schwunglos und hatte keinen
Erfolg. Nach verläßlichen Nachrichten wir
die Lage beim Kommando der 1. engl. Pz.Div. als sehr
ernst angesehen.Die an der Ostflanke der eigenen Pz.-Verbände
in Gegend El Adem sichernde 90. lei.Div. Wurde in den
Nachmittagsstunden von schwächeren Feindkräften
erfolglos angegriffen. Vor der Front des nördl.
Abschnittes ( X. und XXI. A.K. ) geringe Gefechts- und
Artl.-Tätigkeit wie an den Vortagen. Luftaufklärung
stellte verstärkten Kraftfahrzeugverkehr bei Via
Balbia, westl. Tobruk sowie starke Kraftfahrzeugansammlungen
im Raume Acroma fest. Die Luftwaffe unterstützte
die eigenen Operationen durch wirkungsvolle Angriffe
gegen feindl. Kraftfahrzeugansammlungen und Bereitstellungen
im Raume um Acroma und südlich. Die feindl. Lufttätigkeit
war geringer als an den Vortagen. Über Beuteerfolge
später Meldungen.
14.6.42
Nach Umgruppierung der Panzerarmee in den Morgenstunden
des 14.6. trat DAK mit starker Art.-Unterstützung
zum Angriff nach Norden an. Feindl. Panzerverbände
wurden nach heftigen Kämpfen in den Raum um Acroma
zurückgeworfen. Hierbei verlor der Gegner 52 Panzer
und zahlreiches Kriegsmaterial. Trotz eines in den Nachmittagsstunden
einsetzenden starken Sandsturms konnte der Angriff des
DAK langsam an Boden gewinnen. Im Schutze eines dichten
Minenriegels südl. und südwestl. Acroma versuchte
der Feind unter Einsatz der gesamten Panzerverbände
und zweier mot.Brigaden, eine neue Abwehrfront zu bilden.
Luftaufklärung stellte in den Nachmittagsstunden
starke Kraftfahrzeugbewegungen auf der Via Balbia westl.
Tobruk in ostwärtiger Richtung fest. Der Gegner
sprengte Munitionslager in der Gazala-Stellung und versuchte,
seinen Abzug durch Vorstöße gegen das ital.
AK. Zu verschleiern. Der Gegner fühlte in den Nachmittagsstunden
mit schwachen Kräften im Raum El Adem und südl.
in westl. Richtung. Luftwaffe setzte am heutigen Tage
starke Teile auf einen im Gebiet 140 km nördl.
Derna gemeldeten großen Flottenverband an.
15.6.42
Feind versuchte in der Nacht vom 14. zum 15.6., Kräfte
auf der Via Balbia nach Tobruk zurückzuführn.
Durch den Vorstoß des DAK westl. Acroma bis zur
Küste wurde der Weg nach Tobruk verlegt. Im Verlauf
des Tages versuchte der gegner nordwestl. Acroma freizukämpfen.
XXI. AK. Öffnete die Gazala-Front von Westen und
ist bis 15.6. abends in Gegend ostw. der Flugplätze
Gazala vorgedrungen. 50. engl.Div. Versuchte in der
Nacht vom 14. zum 15.6. mit starken Teilen, im Abschnitt
des X. AK. nach Süden durchzubrechen. Die Angriffe
wurden im wesentlichen unter hohen blutigen Verlustenfür
den Feind abgewiesen. 300 Gefangene wurden eingebracht,
400 Kraftfahrzeuge vernichtet.Die Panzerarmee trat nach
der Einschließung der Gazala-Front zur Verfolgung
über El Adem in ostwärtiger Richtung an. Die
im Südteil des Vorfeldes der Festung Tobruk im
Raum von El Adem von Teilen der 5. ind.Div. hartnäckig
verteidigtenund stark befestigten Wüstenforts wurden
in den Abendstundengestürmt. Über 800 Gefangene
wurden eingebracht, eine Anzahl Geschütze und anderes
Kriegsmaterial erbeutet. Trotz zahlreicher feindl. Bombenangriffe
wurde bis 15.6. abends weiter nach Osten Raum gewonnen.
Der gegner setze im Laufe des 15.6. seine Panzerverbände
aus dem Raum ostwärts Tobruk weiter nach Osten
ab. In der Nacht vom 12. zum 13.6. verübten brit.
Sabotagetrupps, die zum Teil mit deutschen Uniformen,
Fahrzeugen und Ausweisen versehen waren, Anschläge
auf Flugplätze in Gegend Derna-Barce-Benina. Mehr.
Flugzeuge wurde zerstört, eine Halle in Brand gesteckt.
Ein Sabotagetrupp – dabei ein Offizier in deutscher
Uniform – wurde gefangengenommen, eine Camionette
mit Sprengmaterial erbeutet.
16.6.42
Der von Süden gegen die tiefe Flanke der Gazala-Stellung
geführte Angriff traf auf die im Raum west. Tobruk
stehenden Kräfte des brit. XIII. Korps, das zur
Zeit des Angriffs aus der 1.Pz.Div., der 1. südafrikanischen
und der 50. engl.Div. Bestand. In den harten Kämpfen
südl. und westl. Acroma wurden bis 14.6. die brit.
Panzerverbände zerschlagen. Nachdem die nicht mehr
einsatzfähige 1.Pz.Div. in der Nacht vom 14. zum
15.6.42 das Schlachtfeld verlassen mußte, erfolgte
der Vorstoß des DAK über die Via Balbia zur
Küste. Bei den Kämpfen zwischen Acroma und
Bir el Tamar wurden außerdem Kräfte in Stärke
einer Inf.Brig. vernichtet. Die Zerschlagung einer weiteren
Brig. erfolgte bei dem Durchsbruchversuch der 50. englischen
Div. nach Südwesten. Die 150. Brig. wurde bereits
bei den Kämpfen um Got el Ualeb vernichtet. Bei
den Kämpfen um Acroma und bei dem Versuch, nach
Osten durchzubrechen, wurde auch die 1. südafrikanische
Div. schwer angeschlagen. Ihre Verluste betragen Mindeststärke
von 2 Brig.en. Insgesamt wurden bei den Kämpfen
um die Gazala-Stellung über 6000 Gefangene gemacht,
224 Panzer, 85 Geschütze sowie eine große
Anzahl Kriegsmaterial erbeutet bzw. vernichtet. Nach
der Vernichtung der brit. Kräfte im Raum westl.
und südl. Tobruk hat die brit. Führung die
restlichen schwer angeschlagenen Divisionen in das lybisch-ägyptische
Grenzgebiet zurückgenommen. Sie werden dort gegenwärtig
gesammelt und neu geordnet. Nach Beendigung der Kämpfe
um die Gazala-Stellung gruppiert Pz.Armee Afrika sich
neu um. Bei den Kämpfen im Festungsvorfeld nahm
eine dtsch. Pz.Div. einige sich zäh verteigigende
Festungsstützpunkte südostw. Tobruk in Besitz.
17.6.42
Im Kampf um das Festungsvorfeld mit seinen zahlreichen
zur Verteidigung ausgebauten stark befestigten Stützpunkten
wurde ein Hauptstützpunkt im Raum El Adem am 17.6.42
früh genommen. Ein Durchsbruchversuch des eingeschlossenen
Gegners aus diesem Stützpunkt in der Nacht vom
16. zum 17.6. wurde unter hohen Verlusten für den
Feind im wesentlichen abgewiesen. Die Zahl der Gefangenen
betrug über 500. Weitere Stützpunkte wurden
im Laufe des 17.6. eingeschlossen. Aufklärungskräfte
stießen zwischen den Stützpunkten bis zum
Festungsgürtel vor. Vor Westabschnitt der Festung
besetzten Italiener Stellungen im Raumsüdostwärts
bis nordostw. Acroma. Zur Gewinnung und Sicherstellung
der für den beabsichtigten Angriff gegen Tobruk
erforderlichen Rückenfreiheit sowie zur Ausschaltung
des Einsatzes feindl. Luftwaffe von den Flugplätzen
um Gambut stießen am 17.6. nachmittags DAK und
Pz.Div. „Ariete“ in ostw. Richtung auf Gambut
und südl. vor. In zügigem Vorgehen warfen
sie die in breiter Front eingesetzte 7. Pz.Div. nach
Osten zurück und erreichten den Raum südl.
Gambut. Die Operationen dauerten bis in die Abendstunden.
18.6.42
Nach Erreichen des Gebietes von Gambut und südwestl.
verblieben Teile der Panzerarmee am 18.6. in diesen
Räumen. Säuberungsaktionen erbrachten weiter
400 Gefangene sowie große Versorgungslager. Der
Ring um die Festung Tobruk wurde durch Vorstoß
über die Via Balbia nach Norden – ostw. Des
Festungsgürtels – geschlossen. Die Festung
ist eingeschlossen, 15 Flugzeuge und zahlreiches anderes
Kriegsmaterial erbeutet. 500 Gefangene eingebracht.
19.6.42
1. Panzerarmee stellt sich bis zum 19.6. abends zum
Angriff gegen die Festung Tobruk bereit. Beginn des
Angriffs in den frühen Morgenstunden des 20.6.
unter Ausnutzung eines Großeinsatzes der Luftwaffenverbände.
2. Die zusammengefaßten Aufklärungskräfte
und eine ital. Pz.Div. sichern den Rücken der Panzerarmee
in Gegend Gambut und südl. und treiben bewaffnete
Aufklärung in ostw. Und südostw. Richtung
vor. Der Feind fühlte in den Nachmittagsstunden
des 19.6. mit starken Aufklärungskräften über
Bir el Gobi nach Norden vor.
20.6.42
2/3 der Festung Tobruk einschließlich Hafen nach
hartem, vom Morgengrauen bis zum späten Abend dauernden
Kampf genommen. Westteil hält sich noch. Mehrere
Tausend Gefangene, 70 Panzer, unübersehbares Material.
21.6.42
Festung Tobruk, 25000 Mann Besatzung, mehrere Generale
von Panzerarmee genomen. Unübersehbare Beute an
Kriegsmaterial und Versorgungsgütern. Weitere Meldungen
folgen.
22.6.42
Panzerarmee Afrika trat am 20.6. am frühen Morgen
zum Angriff auf Tobruk von Südosten mit DAK, verstärkt
durch ½ 90. lei.Div. Rechts und XX. AK. links,
an. XXI. AK. täuschte Angriff von Westen vor, während
eine Div. des X. AK., mit Panzerkorps dicht auffolgend,
für die Besetzung der Stützpunkte an der Durchbruchsstelle
eingesetzt war. Zum Schutz der Südflanke wurden
Aufklärungskräfte und eine Div. des X. AK.
Sowie Pz.Div. „Littorio“ im Raum El Adem
eingesetzt. Weitere Aufklärungskräfte un 90.
lei.Div. - ohne 15. Schützenbrig. - im Raum Bardia
und südl. Die Luftwaffe unterstützte den Angriff
durch Großeinsatz von Bombern und Sturzkampfverbänden.
Bereits nach 2 Stunden gelang nach heftigem Kampf den
deutschen Divisionen ein breiter Einbruch in die stark
ausgebauten feindl. zweifachen Bunkerlinien. Die deutschen
Angriffstruppen stießen in zügigem Vorgehen
bis zum Mittag zur Wegegabel Sidi Mamut ( 8 km südl.
Tobruk ) durch. Dabei wurden 50 feindl. Panzer abgeschossen.
Der Angriff des XX. AK. kam nach Überwindung des
Minenfeldes vor der ersten unkerlinie zum stehen. Zur
Vermeidung weiterer starker Verluste wurden Panzerdiv.
„Ariete“ durch die Einbruchsstelledes DAK
gezogen und zum Angriff nach Westen hart nördl.
der Bunkerlinie eingesetzt. DAK gewann nach Fortsetzung
des Angriffs am Nachmittag im schnellen Durchstoß
die Linie Tobruk-Hafen-Fort Solaro ( 5 km südwestl.
Tobruk ) - Fort Pilastrino Damit waren die beiden stärksten
Forts genommen. Feindliche von Panzern unterstützte
Gegenstöße wurden erfolgreich abgewiesen.
Hierbei weitere Panzerkampfwagen abgeschossen und erbeutet.
Unter dem Eindruck des Durchbruchs durch die starke
befestigte Südostfront der Festung ergaben sich
bei der fortsetzung des Angriffs gegen die im Rücken
des Westabschnittes eingesetzten Feindkräfte am
Morgen des 21.6. die restlichen Teile der Tobruk-Besatzung..
Irgendwelche Verhandlungen mit dem Feinde wurden nicht
geführt. Insgesamt wurden bei der Erstürmung
der Festung Tobruk 5 General – darunter der Kdr.
des 2. südafrikanischen Div.-, 28000 Gefangene
eingebracht, über 70 Panzer abgeschossen, 30 vom
Gegner unbeschädigt übergeben sowie unübersehbare
Mengen an Geschützen und schweren Waffen erbeutet.
Große Bestände an Verpflegung und Munition,
teilw. auch Spritlager, fielen in unsere Hand.
22.6.42
Feind nahm Teile der 7. Pz.Div., die sich noch westl.
Sidi Omar befanden, in Linie Maddelena-Scheferzen zurück.
Seit gestern mittag ist die Bereitstellung der Panzerarmee
gegen die Feindkräfte an der ägypt. Grenze
im Gange. Beim Angriff gegen den vom Gegner verteidigten
Hafen von Tobruk wurden von deutschen Truppen der Panzerarmee
1 Kanonenboot und 6 kleine Transportdampfer mit insgesamt
5200 BRT versenkt. Sie versuchten, mit englischen Truppen
zu entkommen. Der größte Teil der Soldaten
wurde gerettet und als Gefangene eingebracht. Der Hafen
fiel mit seinen Hafenanlagen unversehrt in deutsche
Hand. Der Gegner hat keine Verminungen mehr durchgeführt,
so daß die Transporte nach Tobruk bereits aufgenommen
wurden.
23.6.42
Nach vollendeter Umgruppierung trat Panzerarmee in
den späten Nachmittagsstunden des 23.6. zum umfassenden
Angriff gegen die Feindkräfte an der ägyptischen
Grenze an. Einzelheiten über die auch während
der Nacht weiter laufenden Operationen liegen noch nicht
vor. Die Zahl der Gefangenen in der Festung Tobruk hat
sich auf 33000 erhöht. Außerdem wurden über
die Zahl der schon gemeldeten Beute hinaus bei Tobruk
einige hundert Geschütze, 20 Pak, 100 Kfz., 1 großes
Munitionslager, Lebensmittel und Betriebsstoff erbeutet
und etwa 100 Panzer und mehrere hundert Kraftfahrzeuge
vernichtet.
24.6.42
Feind wich vor dem Angriff der Panzerarmee mit Masse
seiner Kräfte in den Raum Marsa Matruk-Bir Gellaz-Gerawla
aus. In Anlehnung von Martruk und Gerawla stellt sich
der Gegner anscheinend bereit. Panzerarmee überschritt
in breiter Front die ägyptische Grenze und gewann
in scharfer Verfolgung die Linie 50 km südostw.
Sidi Barani-Sidi Barani.
25.6.42
Feindverhalten außer reger Aufklärungstätigkeit
abwartend. Änderung in der Gliederung nicht erkannt.
Feindl. Lufttätigkeit nahm anscheinend auf Grund
von Zuführung neuer Luftwaffenverbände gegenüber
den Vortagen zu. Mehrere Bomben- und Tieffliegerangriffe
auf die eigene Truppe und den Nachschubverkehr. Panzerarmee
setzte am 25.6. die Verfolgung in ostwärtiger Richtung
fort. Auf dem Südflügel schlossen DAK und
90. lei.Div. auf. Ital. XX. Mot.Korps im Raume 40 km
südlich Sidi Barani. Ital. XXI. AK. und X. AK.
Stießen auf der Via Balbia vor.
Nach Mitteilung des deutschen Marinekommandos baldige
Abziehung deutscher Marinekräfte für Sonderaufgabe
beabsichtigt. Oberkommando der Panzerarmee bittet um
Belassung aller deutschen Sicherungskräfte und
besonders der Versorgungsprähme, zumindest für
die Dauer der Operationen, da bei Abziehung jeglicheVersorgungsschiffahrt
von Bengasi ostw. unterbunden und damit Versorgung der
Panzerarmee in dem jetzigen Raum unmöglich gemacht
wird.
26.6.42
Die an und westl. der Piste Siwa stehenden Feindkräfte
wurden durch eigenen Angriff nach Osten zurückgeworfen.
Feind hält Linie Minqar Abu Mokheit ( 70 km südl.
Marsa Matruk ) - Marsa Matruk. Panzerarmee gewann bis
zum 26.6. abends mit den Angriffspitzen der mot.Verbände
den Raum 15 km südl. Marsa Matruk. Die Inf.Korps
schlossen mit den mot.Teilen die Festung Marsa Matruk
nach Westen ab.
27.6.42
Der Feind versuchte am 27.6., die Linie Khalda ( 70
km südl. Marsa Matruk ) - Marsa Matruk zu halten.
Die vor seiner Front stehenden stärkeren Aufklärungskräfte
wurden durch eigenen Angriff auf die feindl. Hauptkräfte
zurückgeworfen. Der Kampf in der feindl. Hauptstellung
wurde in erster Linie von 1. Pz.Div. mit 4. und 25.
Pz.Brig. geführt. Panzerarmee durchbrach diese
feindl. Kräfte im Raume südostw. Marsa Matruk
und stieß mit Teilkräften zur Küstenstraße
20 km südostw. Marsa Matruk vor. Hierbei wurden
über 500 Gefangene eingebracht und mehrere Battr.en
vernichtet. Die erfolgreichen Kämpfe mit feindl.
Panzerverbänden in Gegend nördl. Khalda dauerten
in den Abendstunden noch an. Bisher wurden 18 Panzerkampfwagen
abgeschossen.
Meldung des deutschen Generals im H.Qu. der ital. Wehrmacht:
am 27.6. 13.00 Uhr: „ Bei feindl. Luftangriff
fiel am 26.6. der Kommandeur des ital. XX. mot.Korps
General Baldassarre, außerdem der Artl.Kdr. dieses
Korps und mehrere Offiziere des Stabes. Deutsche Jäger
schossen am 26.6. 29 Feindflugzeuge und ital. Jäger
12 Feindflugzeuge ab. Oase Siwa wurde aus der Luft angegriffen.“
28.6.42
Panzerarmee Afrika nahm nach der Versorgung der mot.Verbände
am Vormittag des 28.6. mit den Panzerdivisionen die
Verfolgung der sich nach Osten absetzenden Feindkräfte
auf und erreichte bei nur schwachem feindl. Widerstand
bis zum Abend den Raum 10 km südwestl. Fuka. Durch
Angriff der ital. Inf.Korps und der 90. lei.Div. wurde
der Ring um die in Marsa Matruk und im Raum südostw.
befindlichen eingeschlossenen Feindkräfte verengt.
Hierbei sowie bei zahlreichen Ausbruchsversuchen in
Nacht vom 27. zum 28.6. wurden rund 1000 Gefangene eingebracht
und zahlreiche Geschütze und Kraftfahrzeuge vernichtet
oder erbeutet.
29.6.42
Bisher liegen folgende Meldungen vor: Entwicklung der
Lage bis 29.6. mittags: Feind ist es gelungen, Kräfte
aus Marsa Matruk abzuziehen, bevor es am 29.6. früh
genommen wurde. Die über Fuka vorgestoßenen
eigenen mot. Kräfte stehen bei El Daba in Feindberührung.
Stellung in der Enge zwischen Kattara-Senke und Arabischer
Golf ist anscheinend nur schwach ausgebaut. Ob Feind
dort entscheidenden Widerstand leisten wird, ist noch
nicht zu erkennen, jedoch unwahrscheinlich.
30.6.42
Panzerarmee stellte sich im Laufe des 30.6. zum Angriff
gegen die El Alamein-Stellung bereit. Die mot.Verbände
wurden im Laufe der Nacht zum frontalen Durchbruch durch
die Verteidigungsfront – 50 km süfwestl.
el Alamein versammelt und traten dort um 03.00 Uhr zum
Angriff nach Osten an. Im Zuge der Umgruppierung zum
Angriff gegen die El Alamein-Stellung wurden im Laufe
des 30.6. durch das DAK Angriffvorbereitungen gegen
den feindl. Südflügel vorgetäuscht. Stärkere
Aufklärungskräfte sind im Marsch auf die Oase
Siwa.
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